Test Porsche 911 Targa 4S: Der Bügel zum Glück

Geld kann kein Glück kaufen? Stimmt, aber es kauft einen Porsche 911 – und das ist für Menschen mit Benzin im Blut fast dasselbe. Eine Verneigung vor der frisch gelifteten Ikone.

Traumwagen: Der Porsche 911 Targa 4S hat 480 PS und beschleunigt innerhalb von 3,7 Sekunden auf Tempo 100. Fotos: Autosprint

Die Notlösung trägt «Shadegreenmetallic». Ganz ehrlich? Geile Farbe! Ein 911er darf das: Wer selbstbewusst in sich ruht, kann jede Mode tragen, und im 911er sind wir immer gut angezogen. Aber Moment – wieso Notlösung? Unser Testwagen ist ein Targa, und der Targa kam zwei Jahre nach dem 911er 1965 nur zur Welt, weil die USA Cabriolets ohne Überrollbügel verbieten wollten. Das Gesetz kam dann nie, der Bügel blieb. Seither erfindet sich der 911er samt Targa beständig neu, um sich treu zu bleiben. Jüngst gab es für die achte 911er-Generation ein Facelift (für Fans: 992.2): Leuchtenkosmetik, ein neuer Startknopf (statt drehbarem Hebel), digitaler statt analoger Drehzahlmesser – fertig.

Das Targadach lässt sich elektrisch öffnen. Leider funktioniert das, weil sich dabei das Heck komplett öffnet, nur im Stand.

Also los. Andere Sportwagen treiben uns an Temposchwellen oder im Parkhaus Schweissperlen auf die Stirn. Der 911er meistert Brötchenholen so locker wie den Nürburgring. Alles sitzt und passt, die Sitzposition ist perfekt, die Bedienung durchwegs logisch. Feine Sitze und die nicht weiche, aber geschmeidige Federung lassen selbst Ü50er nie nach dem Chiropraktiker rufen. Hohes Trottoir? Taste zum Anheben der Front! Perfektion ist langweilig? Nein, einfach perfekt.

Modernisiert: Auch der Drehzahlmesser ist jetzt, für Porsche fast eine Revolution, digital, und es gibt einen neuen Startknopf.

Sahnemotor in Partylaune

Leise und kultiviert drückt der Dreiliter-Turbo-Boxermotor beim Cruisen üppig «Pfupf» auf alle vier Räder und tönt dezent grandios. Aber der «Elfer» kann auch ganz anders. Die Kurvenlinie trifft diese 4,54-Meter-Flunder, als seien unsere Arme an den Rädern festgeschraubt, und der Sahnemotor ist stets in Partylaune. Griff zum «Sport»-Modus und manuellem Schalten: Jetzt platzt das Tier aus dem «Elfer»: Fahrmaschine erster Güte, über 7000 Touren, Kurventempi und Funfaktor jenseits der Vernunft. In Zahlen: 353 kW/480 PS und 530 Nm plus 8-Gang-DKG und Allrad ergeben bei 1770 Kilo rasante 3,7 Sekunden bis Tempo 100 und 308 km/h Spitze. Der Testverbrauch: dafür faire 10,4 l/100 km.

Praktisch: Am Drehknopf am Lenkrad lassen sich die Fahrmodi auswählen. Die Qualität im 911er ist durchwegs exzellent.

Der perfekte Traumwagen

Nachteile? Schwierig. Ja, zum Sitzen sind die Fondsitze ungeeignet. Ja, wer in faszinierender Öffnungschoreografie das Targadach öffnet, kassiert mehr Sturm und Haarzerzausen als im Cabrio; fast ein wenig zu viel. Ja, auf der Autobahn ist der Targa einen Hauch lauter als das Coupé (aber trotzdem leise). Doch sogar der Touchscreen und die Assistenz sind so weit domestiziert und so praxisgerecht, dass jedes Meckern entfällt. Ein fehlerfreier Traumwagen.

Ein Traum zum Albtraumpreis. Alle werden teurer, der 911 wird noch «teurerer». Die Basis kostet ab 153’300, der Targa 4S ab 206’400 Franken. Noch ohne all die wunderbaren Unnützchen, die die Kohle aus den Rippen der Reichen leiern. Lederbezogene Lüftungsdüsen für 1750 Franken extra? Aber unbedingt! Der Testwagen kostet mit Optionen am Ende irrwitzige 243’780 Franken. Zu teuer für uns. Aber ein erfüllter Traum wäre ja irgendwie gar keiner mehr.

Shadegreenmetallic: Eine, sorry, geile Farbe! Komisch nur: Statt grün wirkt sie je nach Licht teils eher blau – wie hier auf unseren Fotos.

Expertenmeinung
Porsche 911 Targa 4S

Andere Sportwagen setzen zwar auf mehr Spektakel. Der «Elfer» dagegen perfektioniert den Spagat, bereits im Alltag Spass zu machen und trotzdem grenzenlos sportlich zu sein: Er bleibt das Mass der Dinge in seiner Liga.

Vorteile
+ atemberaubendes Fahrwerk
+ ein Antrieb zum Niederknien
+ verblüffend alltagstauglich

Nachteile
– erschreckender Preis
– er gehört nicht uns

Schön und toll, aber auch ganz schön teuer: Der Testwagen kostet mit Extras irrwitzige 243’780 Franken.
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