Vergleichstest: Welche Stromer bei Kälte überzeugen

Reichweite, Verbrauch und Ladeleistung entscheiden bei tiefen Temperaturen über die Reisetauglichkeit von Elektroautos. Ein ­TCS-Test zeigt, welche Modelle im Winter überzeugen – und welche deutlich an Boden verlieren.

Überzeugt als Stromer auch im Winter und auf längeren Strecken: Testsieger Audi A6 Avant e-tron performance. Foto: ADAC

Vermutlich haben wir uns alle schon einmal darüber geärgert: Sobald die Temperaturen sinken, leiden elektronische Geräte bald einmal – ob Smartphone, Laptop oder Fotokamera. Bei Elektroautos verhält es sich nicht anders. Die vom Hersteller angegebene WLTP-Reichweite verliert im Winter rasch an Aussagekraft. Wie stark sich Kälte und Dauerbelastung tatsächlich auswirken, hat der TCS daher ganz genau untersucht. Die Ergebnisse zeigen: Nicht alle Elektroautos kommen gleich gut durch den Winter.

Verglichen wurden 14 familientaugliche Stromer von ebenso vielen Marken, die laut Datenblatt alle über eine WLTP-Reichweite von mindestens 500 Kilometern verfügen. Um realistische Bedingungen abzubilden, simulierten die TCS-Experten auf einem Prüfstand bei Temperaturen nahe 0 Grad Celsius eine rund 580 Kilometer lange Autobahnfahrt inklusive Topografie, wechselnder Geschwindigkeiten und Verkehrsbedingungen – Faktoren, die den Energiebedarf generell beeinflussen und sich im Winter besonders deutlich bemerkbar machen.
Bewertet wurde nicht ein einzelner Spitzenwert, sondern das Zusammenspiel aus drei Kriterien: tatsächlich erzielte Reichweite, in 20 Minuten nachgeladene Reichweite und Energieverbrauch. Erst diese Kombination zeigt, wie wintertauglich ein Elektroauto auf der Langstrecke wirklich ist – und wie stark sich die WLTP-Angaben in der Praxis dann auch relativieren.

Effizienz schlägt Batteriegrösse
Zum Gesamtsieger avancierte der Audi A6 Avant e-tron performance, der mit einer Akkuladung 441 Kilometer weit kam und auf der gesamten Teststrecke nur einen einzigen Ladestopp benötigte. Am unteren Ende der Tabelle finden sich Modelle mit deutlich kürzerer Reichweite. Der Volvo EX90 Twin Motor AWD belegt die vorletzte Position, unterboten nur vom BYD Sealion 7 Excellence AWD, der trotz grosser Batteriekapazität unter 300 Kilometer Reichweite blieb – ein klarer Nachteil auf längeren Fahrten.

Ein wesentlicher Faktor für die Reichweitenabweichungen ist der Verbrauch. Besonders effizient zeigte sich der Tesla Model Y mit 22,2 kWh/100 km, gefolgt vom Audi A6 Avant e-tron performance mit 23,2 kWh/100 km. Hohe Verbrauchswerte wirkten sich dagegen klar negativ aus: Der Volvo EX90 lag bei 31,6 kWh/100 km, der BYD Sealion 7 sogar über 35 kWh/100 km. Gerade im Winter reduziert dies die nutzbare Reichweite deutlich.

800-Volt-Technologie mit Vorteilen
Auf der Langstrecke wird Schnellladen zum entscheidenden Faktor, um die Reisezeit zu verkürzen. Fahrzeuge mit 800-Volt-Technologie wie der Audi A6 Avant e-tron performance können hier natürlich in kurzer Zeit besonders viel Reichweite nachladen. Grundsätzlich machen 800-Volt-Akkus Ladeleistungen jenseits der 250 kW überhaupt erst möglich. Bei 800 Volt liegt der thermische Verluste beim Laden mit ca. 3 Prozent zudem klar tiefer als gegenüber Laden unter hoher Last bei 400 Volt, wo der Verlust ca. 11 Prozent betragen kann.

Zudem sind die CCS-Schnellladestecker auf 500 Ampere Dauerstrom und 600 Ampere als kurzzeitige Spitze ausgelegt. Damit erreicht die Ladeleistung in 400-Volt-Systemen eine natürliche Grenze, die zwischen 200 bis 240 kW liegt. Die Zukunft liegt also sicher in der 800-Volt-Technologie. Der TCS-Wintertest zeigt jedoch, dass auch ohne diese Architektur starke Resultate möglich sind – dank hoher Effizienz und guter Ladeleistung, etwa beim Tesla Model Y oder beim Volkswagen ID.7 Tourer Pro.

 

(Visited 99 times, 2 visits today)

Weitere Artikel zum Thema