VW Golf GTI «Edition 50»: Endlich wieder kleinkariert

Seit 50 Jahren steht das Kürzel GTI bei VW für Sportlichkeit – seit Kurzem sogar bei E-Modellen. Wir setzen lieber auf einen guten alten Verbrenner und lassen es im kompakten Golf krachen.

VW Golf GTI «Edition 50»: Verbrennerspass für Nostalgiker. Fotos: Autosprint

Was braucht es den vielzitierten Gummibandeffekt bei der Beschleunigung eines E-Autos, wenn unsere Jubiläumsedition des Golf GTI mit dem Verbrenner dank 239 kW/325 PS und 420 Nm auch so auf der deutschen Autobahn einfach durchmarschiert? Begleitet von einem sonoren, aber nie prollig wirkenden Röhren des Zweiliter-Vierzylinders – herrlich! Selbst mit 200 km/h ist man im Kompaktsportler völlig entspannt unterwegs. Ab 240 km/h wird er dann etwas unruhiger, aber zum blossen Über-die-Autobahn-Brettern (Tempo max.: 270 km/h, 0 auf 100 km/h in 5,3 Sekunden) ist der GTI eh viel zu schade.

Den meisten Spass macht der VW nämlich auf kurvigen Landstrassen. Hier kann er auch die Vorzüge seines von Generation zu Generation perfektionierten Fahrverhaltens ausspielen. Der Fronttriebler mit einer elektronisch geregelten Vorderachsquersperre scheint regelrecht auf der Strasse zu kleben. Die Progressivlenkung ist extrem präzise und das adaptive DCC-Fahrwerk zwar straff, aber dennoch nicht unkomfortabel. Der Clou eben: Trotz seiner Sportlichkeit und einer Tieferlegung um weitere 5 bis 20 Millimeter bleibt der Golf absolut alltagstauglich (374 bis 1230 Liter Stauraum). Er kann, wenn er will, aber er muss nie!

GTI-Nostalgie im Innern

Echt gelungen sind auch die optischen Reminiszenzen an den Ur-GTI von 1976: Statt eines rot eingerahmten Kühlergrills gibt’s eine dezente rote Linie, welche die LED-Leuchten verbindet, und natürlich das legendäre GTI-Kürzel an der Front. Im Innern dürfen die Sportsitze mit Karomuster nicht fehlen; und die moderne Interpretation hat durchaus Style. Zudem gibt’s rote Sicherheitsgurte sowie rote Gummiauflagen für Gas- und Bremspedal. Das Cockpit prägt das neue, zentrale 12,9-Zoll-Infotainmentdisplay. Zwar unten mit beleuchteten Touchslidern für Klima und Lautstärke sowie auch wieder klassische Lenkradtasten für mehr Bedienungsfreundlichkeit, aber es ginge noch intuitiver.

Und der legendäre Golfball für die Schaltung? Das war einmal. Beim Neuen wird für das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe über einen Kippschalter zwischen Drive- und Sport-Modus gewählt. Ganz ohne Golfball geht’s aber doch nicht. Witzig: Beim Öffnen der Türen wird er samt GTI-Kürzel auf den Boden projiziert. Markant, aber nicht aufdringlich sind die Abgasanlage mit den beiden grossen Endrohren aus Titan sowie der schwarze Diffusor im Heck. Hier prangt zudem ein grosser Dachspoiler mit seitlichen «GTI 50»-Logos. Der Tester hat dank GTI-Performance-Paket ED50 (Aufpreis 3500 Franken) nicht nur weitere 25 Kilogramm abgespeckt, sondern fährt auch mit den schwarzen 19-Zoll-Schmiedefelgen vor – ein echt gelungener Auftritt, der vor allem enorm viel Fahrspass bereitet.

Expertenmeinung VW Golf GTI «Edition 50»

Kompakter und sportlicher geht kaum. 325 PS und 420 Nm: Das Jubiläumsmodell ist der stärkste Serien-Golf bislang. Er ist nicht nur etwas für GTI-Nostalgiker, hat mit mindestens 56’700 Franken (Tester: 65’747 Franken) aber seinen Preis.

Vorteile
+ Geniales Fahrverhalten, präzise Lenkung
+ Modern mit hübschen Retro-Details
+ Sportlichkeit mit hohem Alltagsnutzen

Nachteile
– Trotz hohem Preis bleibt’s am Ende ein Golf
– Neues Display, aber noch immer nicht ganz intuitive Bedienung

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