MG S6 EV bereits gefahren: Endlich gibt’s wieder Knöpfe!
Mit dem S6 EV hat MG ab sofort einen neuen Top-SUV. Der wird der Stromkonkurrenz Sorgen machen: Gewohnt günstig, gewohnt gut und endlich weniger Touchscreen.

Gehen Journalisten die Worte aus, ist das vielleicht schlecht für den Redaktor. Aber ein gutes Zeichen für das Auto. Wir nennen es mal den «Skoda-Effekt»: Kann ein Auto alles gleichmässig gut, ist es schwieriger in Phrasen zu verpacken als ein Auto der Extreme. Im neuen Top-SUV von MG, einst britische und nun chinesische Marke, geht es uns ähnlich: Der S6 EV ist derart ausgewogen, dass man das durchaus langweilig finden könnte. Tun wir nicht, denn: Im Autoalltag passt es perfekt.

MG hat sich bereits etabliert
Was ist der MG S6 EV (den MG selbst ohne Abstand MGS6 EV schreibt, damit Audi nicht wegen dem S6 meckert)? Ein ganz typischer Familien-SUV im ganz typischen Format à la VW Tiguan, 4,71 Meter lang, mit oder ohne Allrad und stets elektrisch. Er dürfte MGs Marktanteil weiter steigern, denn ohnehin ist die Marke als erfolgreichster Newcomer aus China prozentual bereits auf Mini- oder Suzuki-Niveau unterwegs. Allein 2026 folgen noch drei Neuheiten und sollen es 35 statt 26 Händler (Tipp für Garagen: MG sucht noch Partner) werden. «Unser Ziel beim S6 EV sind dieses Jahr 500 Fahrzeuge», verrät uns Nicole Sahlmann, Markenchefin MG Schweiz beim Importeur Astara, «wir denken an Familien, aktive Menschen und Flottenkunden.» Fahren wir doch mal Probe.

Ausgewogenheit ist Trumpf
Der S6 EV federt geschmeidig, lenkt und kurvt willig und macht genug Spass und nie Ärger. Elektrische 180 kW/244 PS bzw. im gefahrenen 4×4 stolze 266 kW/361 PS sind schnell, spontan, seidig und leise. Sitze tipptopp, das Cockpit edler als in manch deutschem Premiumprodukt. Alles ist qualitativ hervorragend.

Und: Es gibt statt nur Touchscreens wieder echte Knöpfe etwa für Spiegel, Licht, Heckscheibenheizung und Co. – danke! Die Assistenz nervt bis auf den lauten EU-Tempowarner kaum und bleibt deshalb an – so soll das sein. Wer sie doch ausschalten will, wählt nur das voreingestellte Wunschprofil an, statt ewig im Screen zu scrollen. Bitte nachmachen.

Überaus faires Preisniveau
Im Fond und Laderaum lockt Platz in Hülle und Fülle. Optionen? Metalliclack, 650 Franken. Fertig. Der Rest ist drin, sogar Sitzheizung hinten oder Head-up-Display. Teuer? Nein, sehr, sehr fair. Der Hecktriebler (530 Kilometer WLTP-Normreichweite) 45’990, der Allradler (485 Kilometer) 48’990 Franken. Oder, da wir ja eingangs Skoda erwähnt hatten: Ein Enyaq kostet über fünfeinhalb Tausender mehr. Nicht mal die Reichweite patzt: Wir fahren im 4×4-MG durch das Aargau, über Pässe, ein wenig Autobahn, und die Heizung ist an. Rechnerisch wären wir trotzdem 441 Kilometer weit gekommen. Und der 77-kWh-Akku soll mit bis zu 144 kW ziemlich flott laden (38 Minuten von 10 auf 80 Prozent). Wir zucken hilflos die Schultern: Was sollen wir dazu noch gross sagen? Wir können eigentlich nur Glück wünschen. Nicht MG. Sondern der Konkurrenz.


