Leapmotor B10 im Test: Der Preisbrecher ohne Billigaroma
Das Preisschild fällt auf: 29'900 Franken für den vollausgestatteten Elektro-SUV. Unser Test klärt: Ist der Leapmotor B10 – den es auch als Plug-in-Hybrid gibt – Blender oder Brüller?

Nein, nicht «Bio», Herr Nachbar: B10 steht auf dem kleinen SUV der jungen chinesischen Marke Leapmotor. Apropos «Bio»: Die Biografie von Leapmotor ist jene einer Karriere: Erst elf Jahre alt, letztes Jahr bereits so gross wie Seat und in der Schweiz aktuell im Marktanteil zum Beispiel schon Fiat dicht auf der Spur. Den neuen B10, einen auch hinten drin schön geräumigen City-SUV für den Alltag in der Agglo, gibt es als Elektroauto ohne oder neu mit «Range Extender» (Benziner als Bordstromerzeuger, quasi ein Plug-in-Hybrid). Preis: je 29’900 Franken. Wir testen die reine E-Version.

Günstig wirkt nicht billig
Das Design ist Geschmackssache, schlecht sieht der B10 jedenfalls nicht aus. Innen finden wir beim besten Willen keine Mängel. Billig? Sparsam vielleicht, also viel Hartplastik – aber solide, wertig, klapperfrei. Hübsch sind Lüftungsdüsen im Metall-Look samt cooler Ambientebeleuchtung. Es gibt nur Vollausstattung, etwa mit 360-Grad-Kamera, Sitz- und Lenkradheizung und, und, und. Was es nicht gibt? Einen Heckscheibenwischer! Echt jetzt? Bitte ändern, Leapmotor. Toll dagegen: Fünf (Batterie acht) Jahre (oder 200’000 Kilometer) Garantie sind ein echt vertrauensbildendes Wort.

Der E-Antrieb mit 160 kW/218 PS ist seidig, spontan, kräftig und leise. Gelenkt wird leicht, aber exakt. Die Federung ist straff, aber nie hart: genau jener Mix, der sich gut verkauft und im Alltag passt. Die Übersicht aus prima Sitzen stimmt, nur lässt sich das Lenkrad nicht weit genug nach unten verstellen. Macht nichts, denn das Format mit 4,52 Metern Länge ist angenehm kompakt. Nur bei der Digitalisierung tut der B10 des Guten zu viel, wie leider so viele neue Autos: Alles, alles bis hin zur Spiegelverstellung will via Touchscreen bedient sein.

Nur die Assistenz nervt
Gewöhnungssache, wären da nicht die unschön nervigen Assistenzsysteme. Auch das ist heute in vielen Autos so, aber hier piepst wirklich immer irgendwas. Vorsichtshalber schalten wir viel Assistenz ab, was für die Sicherheit völlig kontraproduktiv ist und der Menüführung wegen zudem unpraktisch (siehe Bild unten). Der EU-Tempowarner ginge ja noch, er wird nicht zu laut. Aber der Spurassistent greift zu herb ein: Wer auf schmaler Strasse dem Gegenverkehr Platz schaffen will und ganz rechts fährt, dessen Lenkrad zuckt heftig nach links in Richtung Gegenverkehr. Da bitten wir um ein Update. Ebenso beim Aufmerksamkeitsassistent: Je nach Sitzposition kann bereits die linke Hand bei vorbildlicher Zehn-vor-zwei-Handhaltung am Lenkrad dessen Sensor verdecken, und dann piept die Assistenz fortlaufend.

Sonst lässt sich der B10 trotz tiefem Preis nicht mal bei der Reichweite und Ladetempo was vorwerfen. Laut WLTP-Norm schafft der B10 mit 67-kWh-Akku 434 Kilometer. Im Test sind es trotz viel Heizen minimal um die 350 und im Schnitt 370 Kilometer – das reicht uns beim Pendeln über eine Woche lang, und bei höheren Temperaturen dürften 400 Kilometer drin liegen. Und zwar erreichen wir nie 168 kW Spitzenladeleistung (20 Minuten von 30 auf 80 Prozent), schaffen aber zum Beispiel 30 Minuten von 50 auf 100 Prozent. Gut gemacht, Newcomer! Der B10 dürfte ankommen.

Expertenmeinung
Leapmotor B10 EV
Der Leapmotor B10 ist ein Preisbrecher, ohne dabei in der Qualität oder im Fahren Kompromisse zu machen. Hier gibt es, ob Hybrid oder Stromer, wirklich viel Auto für’s Geld, weshalb wir die etwas nervige Assistenz gerne verzeihen.
Vorteile
+ günstiger Preis
+ gute Reichweite
+ hohe Qualität
Nachteile
– kein Heckwischer
– nervige Assistenz


