Die Transporter werden elektrisch

Die leichten Nutzfahrzeuge von morgen fahren mit Batterieantrieb – dafür sorgen immer strengere CO2-Vorschriften. Wasserstoff-Projekte wurden hingegen eingestellt.

In der Schweiz dürfen neu zum Verkehr zugelassene Personenwagen (PW) maximal 93,6 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen. Für jedes Gramm darüber muss der Importeur empfindliche Strafen bezahlen. Ab dem 29. November 2026 müssen sie ausserdem die strenge Euro7-Abgasnorm einhalten – diese enthält neu auch Vorschriften für andere Emissionsarten wie Reifenabrieb und Bremspartikelemissionen.

Opel Movano Hydrogen und Combo Electric auf der IAA Transportation 2024. Foto: Opel

Auch Nutzfahrzeuge unterliegen Emissionsvorschriften, für sie gelten aber andere Grenzwerte. Seit Anfang 2025 gilt bei den leichten Nutzfahrzeugen (LNF) eine CO2-Limite von 153,9 Gramm pro Kilometer, auch hier drohen hohe Bussen. Deshalb liegt es auf der Hand, dass leichte Nutzfahrzeuge in Zukunft rein elektrisch unterwegs sein werden, entweder mit Batterie- oder mit Wasserstoffantrieb.

Stellantis fertigte auch die Brennstoffzellenvarianten seiner mittelgrossen Transporter Citroën ë-Jumpy, Fiat E-Scudo und E-Ducato, Opel Vivaro Electric und Peugeot E-Expert in industrieller Serienproduktion, hat diese alternative Antriebsart nun jedoch wieder verworfen. Foto: Stellantis

Kia gibt Gas
Fast alle Anbieter haben heute Transporter mit Batterieantrieb im Angebot. Sie basierten aber stets auf bestehenden Plattformen mit Verbrennungsmotor, die man nachträglich auf den E-Antrieb umgerüstet hat. Doch noch mehr als bei den Pw, bieten bei den Nutzfahrzeugen spezifische E-Plattformen entscheidende Vorteile, etwa ein besseres Raumangebot und eine bessere Effizienz. Deshalb kommen nun nach und nach neue Nutzfahrzeuge auf den Markt, die von Grund auf als reine E-Fahrzeuge entwickelt wurden.

Kia-Studie PV7 Concept auf der IAA Transportation 2024. Foto: Kia

Vorgeprescht ist hier die Hyundai-Tochter Kia: Die Koreaner steigen in den Markt der leichten Nutzfahrzeuge ein und bringen eine ganze Palette von E-Transportern, die auf einer skalierbaren E-Plattform aufbauen. Mit dem 4,70 Meter langen PV5 ist bereits das erste Serienmodell davon auf die Strasse gerollt, das als Cargo-Version mit 4,4 Kubikmeter Ladevolumen und 690 Kilogramm Zuladung sowie als Personenvarianten mit fünf bis sieben Sitzen angeboten wird. Zwei Batterien stehen zur Wahl: eine kleinere (51,5 kWh) für eine Normreichweite bis 291 Kilometer oder eine grosse (71,2 kWh) für bis zu 416 Kilometer. Nächstes Jahr folgt eine günstige Einstiegsversion mit nur 43,3 kWh Batteriekapazität. Geladen wird mit maximal 160 kW (DC). Mit einem Startpreis ab 31’750 Franken positioniert sich der PV5 deutlich unter dem Konkurrenten VW ID.Buzz. Das Topmodell mit grosser Batterie kostet ab 46’550 Franken.

Kia PV5 Cargo erhält die höchste Fünf-Sterne-Bewertung im Euro-NCAP-Sicherheitsrating für Transporter 2025. Foto: Kia

Das Angebot wächst
Anders als Kia hat Renault schon länger rein elektrische LNF im Portfolio – aktuell sind drei Lieferwagen mit Batterieantrieb. Nun wollen die Franzosen ebenfalls E-Transporter der nächsten Generation auf den Markt bringen. Die ersten drei Serienmodelle Estafette, Goelette und Trafic basieren auf der neuen, skalierbaren SDV-Architektur von Renault-Tochter Ampere.

Die neue Renault-Nutzfahrzeug-Generation mit Trafic E-Tech, Estafette E-Tech und Goelette E-Tech. Foto: Renault

Doch auch aus China drängen Modelle in dieses Segment. Der grösste chinesische Autohersteller BYD, der 2025 mit einer PW-Palette in den Schweizer Markt gestartet ist, wird bald auch mit elektrisch angetriebenen Transportern Europa aufmischen. Bereits angekündigt ist der E-Vali, ein Elektro-Lieferwagen mit einer auf Stauraum optimierten Karosserie in zwei Längen – die längere davon soll fast 18 Kubikmeter Stauraum und eine Normreichweite von maximal 250 Kilometer bieten.

BYD hat mit dem E-Vali einen Elektro-Transporter für Europa entwickelt. Foto: BYD

Die Marke Maxus ist schon länger mit diversen E-Nutzfahrzeuge in der Schweiz präsent. Mit dem e-Deliver 5 bringen die Chinesen einen Transporter, der nicht nur mit einem futuristischen Look für Aufsehen sorgt, sondern auch auf einer neuen E-Plattform aufbaut. Mit einer kompakten Länge von 4,80 Metern bietet der e-Deliver 5 Raum für 6,6 Kubikmeter Ladevolumen und verbindet das mit einer WLTP-Reichweite von 335 Kilometern respektive 489 Kilometern im Stadtzyklus. Zudem hat Maxus mit dem e-Terron 9 einen Elektro-Pick-up auf einer reinen E-Plattform im Angebot.

Maxus eDeliver5. Foto: Maxus

Ende des Wasserstoffs?
Der Wasserstoffantrieb wird oft als Alternative gesehen, sowohl bei den leichten als auch bei den schweren Nutzfahrzeugen. Auch Wasserstoff-Fahrzeuge werden rein elektrisch angetrieben, allerdings wird der Strom dafür direkt an Bord erzeugt.

Citroën ë-Jumpy Hydrogen an einer Wasserstoff-Tankstelle. Foto: Stellantis

Der Stellantis-Konzern hat nun aber ein ehrgeiziges Projekt mit diversen Wasserstoff-Transportern eingestellt. Damit bleibt diese Antriebstechnik wohl den schweren Nutzfahrzeugen vorbehalten. Die Zukunft der leichten Transporter bleibt somit elektrisch – denn die Fortschritte in der Batterietechnik dürften diesem Bereich in Zukunft zu noch deutlich mehr Schwung verhelfen.

VW ID Buzz Cargo im Einsatz für den Haushalts- und Gewerbegeräte-Hersteller Miele. Foto: VW Nutzfahrzeuge
(Visited 110 times, 1 visits today)

Weitere Artikel zum Thema