Denza Z9GT: Der Elektroschocker
Er geht mit 1156 PS ab wie ein Geschoss, parkiert schräg wie ein Krebs und lädt fast so schnell, wie andere tanken: Der Denza Z9GT macht für 115'000 Franken alle nass.

Blanke Angst kleidet sich manchmal in sehr diplomatische Worte. Fragten Medien jüngst bei etablierten Automarken nach dem superrasanten Flash Charging des Denza Z9GT, hiess es zum Beispiel bei BMW: Man sehe den Praxisnutzen nicht. Naja, was sollen sie auch sagen? Ist der Z9GT mit 1500 kW Ladeleistung nach sechs Minuten von zehn auf 80 Prozent gefüllt, muss sich der BMW-Pilot selbst in der «Neuen Klasse» (400 kW) noch 15 Minuten Ladezeit vertreiben. Das Wahnsinnsteil Z9GT ist seit April bestellbar und saust ab Juli auf die Strasse.

Laden fast so schnell wie Tanken
Wer ist Denza? Gegründet wurde die BYD-Edelmarke 2010 als Joint-Venture mit Mercedes. Seit 2024 bestimmt BYD allein, vom Batteriehersteller zum Autogiganten mit fast einer Million Mitarbeitenden gewachsen und als grösster E-Autobauer längst vor Tesla. Nun sollen Teslas Supercharger überholt werden: In Europa plant Denza 3000 Flash Charger (in China gibt es schon 5000), bei uns macht Zürich den Auftakt. Wozu das alles? Weil der Z9GT schneller lädt, als Schnelllader (dort lädt er mit deren Maximalleistung) können. Wir probieren es live aus: Zehn Prozent Akkustand – und los am Flash Charger. Wie wild flimmern die Zahlen im Display: fünf Minuten bis 70, neun bis 97 Prozent (bei Frost drei Minuten mehr). Aber hallo!

Wendekreis eines Kleinwagens
Wir staunen derart über dieses Wunder der Elektrotechnik, dass ironischerweise Dinge in den Hintergrund rücken, die sonst eine Schlagzeile wären. Etwa die Reichweite. Offiziell kommt der Z9GT ganz ohne Laden bereits 600 Kilometer weit. Wir geben auf Probetour oft Gas, doch wären rechnerisch 601 Kilometer gekommen. Nicht beeindruckt? Rangieren und parkieren wir mal. Der Wendkreis ist dank Hinterradlenkung sensationell: Dieses Schiff im Mercedes-S-Klasse-Format ist 5,18 Meter lang. Aber wendet auf 9,5 Metern, also auf Opel-Corsa-Mass. Wird es eng, fährt der Z9GT diagonal wie ein Krebs oder schiebt sein Heck quer zur Fahrtrichtung in die Lücke. Einfach so. Notfalls dreht er sich auf der Stelle! Ja, das stresst die Pneus vielleicht etwas, aber der Nachbar hat sowas garantiert noch nie gesehen.

Der Z9GT dreht auf der Stelle
Selbst Platz gibt es in dem Fünftürer («Shooting Brake» sagt Denza dazu) mehr als genug, wir strecken hinten locker die Beine. Die Luftfederung bügelt miese Strassen locker glatt oder setzt je nach Modus auf betont müheloses Kurvenfetzen. Gefühlt ist der Z9GT eher Panamera als Taycan, also Reise- statt Raserwagen. Auch qualitativ stimmt alles: top! Selbst die Bedienung ist rätselfrei, neben massenhaft Assistenzsystemen und drei Screens gibt es gottlob ein paar Knöpfe für Wichtiges. Und als wir bei zwei Innenzierleisten dann doch einen Ebenenversatz finden, wird nicht etwa argumentiert, sondern flugs notiert. Vermutlich ist es bald korrigiert. «China Speed» eben.

Sprintet los wie ein Geschoss
Denn «China Speed» nennen europäische Hersteller halb verängstigt und halb bewundernd diese Dynamik der Chinesen. Und wer über mangelnde Emotionen klagt, muss nur Vollgas (oder Starkstrom) geben: Drei Elektromotoren (einer vorne, zwei hinten) ergeben Allrad und 850 kW/1156 PS. Die Worte versagen, um das zu beschreiben: Die trotz viel Alu 2,8 Tonnen gewichtige Wuchtbrumme schiesst wie vom Katapult abgeschossen in 2,7 Sekunden bis auf Tempo 100. Spitze? 270 km/h! Was sowas wohl kostet? Für das Gebotene ist es erstaunlich fair: Die Hightech-Demonstration kostet mit Vollausstattung (z.B. Sitzheizung und -belüftung rundum), acht Jahren oder 250’000 Kilometer Garantie, mit Hol-und-Bring-Service und 18 Monaten Gratisladen am Flash Charger ab 115’000 Franken. Optional sind ein paar Farben, digitale Aussenspiegel und 21- statt 20-Zoll-Räder: Mehr als 123’600 Franken geht nicht.

Übrigens: Es gibt den Z9GT auch als von uns noch nicht gefahrenen Z9GT DM-i, also Plug-in-Hybrid (570 kW/776 PS, 203 Kilometer E-Reichweite) ab 101’000 Franken. Hm, kauft das denn jemand? Genesis oder Lexus wissen, wie schwierig die Preisklasse ist. Andererseits: Auch Audi oder Tesla waren mal niemand. Unser Fazit: Der Denza Z9GT ist ein Elektroschocker für die Konkurrenz, und die Wunderflunder sieht erst noch cool aus. Der Rest wird sich zeigen.

Denza mit fünf Neuheiten 2026
Wie ernst die BYD-Nobeltochter Denza es mit Europa meint, zeigt ein Blick auf das geplante Modellangebot. Zeitgleich mit dem Z9GT ist der D9 gestartet, ein Luxusvan in der Mercedes-Viano-Liga mit luxuriösen Einzelsesseln und Plug-in-Hybridantrieb (DM-i) ab 79’900 Franken.

Noch folgen werden 2026 ein grosser Edel-SUV, ein wuchtiger Offroader – und der Denza Z EV: Der Roadster im Porsche-911-Format hat den Antrieb des Z9GT und saust mit über 1000 PS in unter zwei Sekunden auf Tempo 100. Der Preis? Noch offen.

