Hyundai Ioniq 6 N: Es lebe der (Elektro-)Sport!

Nach dem Ioniq 5 wurde nun auch die Limousine Ioniq 6 von Hyundais Sporttochter N unter die Fittiche genommen. Herausgekommen ist ein bemerkenswertes Produkt, das polarisieren wird.

Fotos: Hyundai

Null auf hundert in 3,2 Sekunden – das ist völlig verrückt. Noch vor wenigen Jahren blieben solche Beschleunigungswerte der kleinen Elite der Hypercars vorbehalten. Heute kann sie jeder mit seinem Familienauto erleben – sofern dieses elektrisch angetrieben wird. Okay, nicht jedes Elektroauto ist dermassen spurtstark, und es bedarf schon etwas mehr als nur schierer E-Power, um ein Auto verantwortungsvoll auf diese Werte zu bringen.

Doch leistungstechnisch ist bei E-Motoren sehr viel möglich, ohne dass der Hersteller dazu besonders viel Entwicklungskompetenz bräuchte.
Was Hyundais Sportabteilung N nun aber gemacht hat, geht weit über diese Spurtstärke hinaus. Die 4,94 Meter lange Limousine Ioniq 6 schafft in der neuen N-Version einen enormen Spagat: komfortabel, flüsterleise und verbrauchsarm auf der Autobahn mit einer Normreichweite von 487 Kilometern, sehr agil und emotional auf der Passstrasse – und laut, wild und unglaublich gut auf der Rennstrecke.

Perfekt inszeniert
Diese Verwandlung von der braven Limousine zum ernst zu nehmenden Sportwagen geschieht auf Tastendruck am Lenkrad – und was dann abgeht, muss man erlebt haben. Der Koreaner imitiert ein Doppelkupplungsgetriebe in perfekter Vollendung, schaltet, gibt Zwischengas, lässt beim Anbremsen Fehlzündungen erklingen – doch das alles wird nur vorgegaukelt und findet nur im Innern des Cockpits statt. Gleichzeitig werden die vollen 448 kW/609 PS auf die vier antreibenden Räder freigelassen, im sogenannten Grin-Boost sind es kurzzeitig sogar 478 kW/650 PS.

Mehr als virtuelle Spielerei
Doch beim Ioniq 6 N geht es nicht nur um schiere Power und virtuelle Spielereien. Die Abstimmung des Fahrwerks ist erste Sahne – die elektronisch geregelten Dämpfer machen einen hervorragenden Job, das elektronische Sperrdifferenzial (e-LSD) schiebt die Limousine wie auf Schienen um die Radien. Die verbreiterte Spur und die Aero-Anbauteile inklusive Heckflügel erhöhen die Stabilität; zusätzliche Schweiss­punkte und strukturelle Verstärkungen erhöhen die Steifigkeit.


Und um auf der Rennstrecke die optimale Performance abrufen zu können, haben die Koreaner dem Ioniq 6 N ein System zur Batterievorkonditionierung verpasst, das je nach gewähltem Fahrmodus den Akku auf die perfekte (Leistungs-)Temperatur bringt. Also doch völlig verrückt? Ja, irgendwie schon – aber auch verrückt gut. Eine so gelungene Kombination aus kommodem Gleiter und Sportwagen gibt es zwar auch anderswo, kostet dort aber deutlich mehr. Denn für 74’900 Franken ist der Ioniq 6 N im Vergleich zur Konkurrenz ein echtes Schnäppchen.

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