Unterwegs mit Kindern und Haustieren? So wird die Autofahrt entspannter

Quengelei auf der Rückbank, nervöse Vierbeiner und ständige Pinkelpausen: Lange Autofahrten bringen Familien schnell an ihre nervlichen Grenzen. Mit den richtigen Strategien lässt sich der Stress aber deutlich reduzieren.

Familie auf Achse: Gute Planung und passende Ablenkungen erleichtern lange Autofahrten. Fotos: iStock und Peter Fuchs

Wer als Vater oder Mutter schon einmal stundenlang auf dem Beifahrersitz für Unterhaltung, Verpflegung und Krisenmanagement zuständig war, weiss, wie rasch der Copiloten- zum Foltersessel werden kann – Nackenverspannung inklusive. Und irgendwann, wenn die Geduld am Ende ist, fällt der Satz: «Ich habe auch nur zwei Hände!» Eine komplett entspannte Fahrt mit Kindern auf dem Rücksitz ist vielleicht Wunschdenken. Aber: Mit der richtigen Vorbereitung und einfachen Strategien lässt sich der Stress unterwegs deutlich reduzieren.

Mit Kindern anders planen

Bevor es überhaupt losgeht, lohnt sich ein Besuch in der Garage: Reifen, Bremsen, Ölstand oder Klimaanlage sollten vor längeren Sommerfahrten kontrolliert werden. Denn nichts vermiest die Stimmung schneller als eine Panne im Stau bei 30 Grad.

Doch selbst das bestgewartete Auto garantiert noch keine friedliche Ferienfahrt. Denn die grösseren Herausforderungen sitzen meist hinten. Ein häufiger Fehler vor langen Fahrten mit Kindern passiert bereits vor dem Einsteigen: Eltern planen die Reise wie Erwachsene, also möglichst effizient, ohne Zeitverlust und nur mit kurzen Tankstopps. Kinder interessiert das allerdings herzlich wenig. Wenn sie plötzlich den Drang verspüren, sich die Beine zu vertreten, oder auf die Toilette müssen, dann ist Warten eine ziemlich unbeliebte Option. Umso wichtiger ist die realistische Planung. Wer die Abfahrtszeit an Schlafrhythmen anpasst, ist im Vorteil. Viele Familien fahren deshalb frühmorgens los, nutzen den Mittagsschlaf der Kleinen für längere Etappen oder bevorzugen Nachtfahrten. Hauptsache, die Kinder verbringen einen Teil der Reise schlafend, denn so entfällt das «Wann sind wir endlich da?».

Entscheidend ist auch, realistische Etappen in Angriff zu nehmen. Wer samt Nachwuchs an einem Tag quer durch halb Europa fahren will, provoziert früher oder später schlechte Stimmung. Fachleute empfehlen regelmässige Pausen, idealerweise etwa alle zwei Stunden – und zwar nicht nur für einen Toilettengang, sondern mit der Möglichkeit, sich auszutoben. Raststätten mit Spielplatz, Wiese oder etwas Auslaufpotenzial sind Gold wert. Gewickelt wird übrigens ebenfalls nur bei Stopps und nicht während der Fahrt auf der Rückbank.

Beine vertreten statt stillsitzen: Bewegung tut Kindern nach Stunden im Auto besonders gut.

Trümpfe gezielt ausspielen

Im Auto selbst ist geschicktes Taktieren gefragt. Manche Eltern überhäufen ihre Kinder schon in der ersten Stunde mit allen verfügbaren Spielsachen, Snacks und Ablenkungen. Dabei ist es wie beim Jassen: Die Trumpfkarten wollen gezielt eingesetzt werden, sonst folgt auf die kurze Euphorie die schnelle Ernüchterung. Also lieber zuerst das Hörspiel, dann das Rätselheft und später vielleicht ein Überraschungssäckli mit Stickern, Autöli oder etwas Süssem.

Bewährt haben sich auch Klassiker wie «Ich sehe was, was du nicht siehst» und dergleichen, die seit Jahrzehnten zuverlässig funktionieren. Und wenn gar nichts mehr hilft, darf ohne schlechtes Gewissen auch mal der Edeljoker ausgespielt werden: Bildschirmzeit. Hörspiele haben übrigens einen Vorteil: Weil Kinder dabei nicht ständig nach unten schauen müssen, wird ihnen oft nicht so leicht schlecht. Ganz verhindern lässt sich Reiseübelkeit allerdings nicht immer. Wechselkleider, Feuchttücher sowie ein kleiner Notfallvorrat an Plastiksäcken oder Spucktüten gehören deshalb sinnvollerweise ebenfalls ins Reisegepäck. Natürlich darf auch die Verpflegung nicht vergessen gehen, schliesslich mutieren selbst viele Erwachsene mit knurrendem Magen zu unerträglichen Zeitgenossen. Sinnvoll sind Snacks, die weder kleben noch tropfen. Und natürlich sollten Getränke in Griffweite sein.

Komfort reduziert Konflikte

Gerade im Sommer kann die Temperatur im Innenraum rasch zur Belastungsprobe werden. Ein guter Sonnenschutz an den Seitenfenstern verhindert, dass die Sonne stundenlang direkt ins Gesicht scheint. Kinder sollten ausserdem nie allein im Auto zurückgelassen werden, denn Fahrzeuge heizen sich bei hohen Temperaturen innert kürzester Zeit massiv auf.

Das Prinzip ist einfach: Je wohler sich die Kinder fühlen, desto entspannter verläuft die Reise. Entsprechend lohnt sich ein gut organisierter Innenraum. Trinkflaschen, Tablets oder Spielsachen sollten (und müssen!) sicher verstaut werden, damit während der Fahrt nicht ständig Chaos entsteht und bei abrupten Bremsmanövern nichts durchs Auto fliegt. Auch Lieblingsdecke, Stofftier oder Kissen können wahre Wunder wirken.

Oft hilft zudem, den Nachwuchs in kleine Entscheidungen einzubeziehen. Wer darf wann vorne sitzen? Wo wird Pause gemacht? Welche Playlist läuft? Schon ein bisschen Mitspracherecht verhindert erstaunlich viele Streitigkeiten auf engstem Raum. Aber klar: Perfekte Autofahrten mit Kindern gibt es vermutlich nur in Werbespots. Irgendwann wird gequengelt, gestritten oder geweint. Ganz verhindern lässt sich das wohl nie.

Sicher unterwegs mit Tieren

Aber nicht nur Kinder reagieren empfindlich auf lange Autofahrten. Auch für Hunde (oder Katzen) bedeutet die Reise oft Stress. Tiere sollten im Auto unbedingt richtig gesichert werden – und müssen, denn aus rechtlicher Sicht gelten sie als Ladung. Wer seinen Hund ungesichert auf der Rückbank herumturnen oder die Katze frei durchs Auto spazieren lässt, riskiert nicht nur Bussen, sondern auch gefährliche Situationen. Empfohlen werden Transportboxen, Trenngitter oder spezielle Sicherheitsgeschirre. Gerade bei grösseren Hunden gelten stabile Boxen im Kofferraum als besonders sichere Lösung. Sinnvoll ist, Tiere bereits vor der Reise an Transportbox oder Geschirr zu gewöhnen, sonst wird schon das Einsteigen zur Herausforderung.

Wie bei Kindern gilt auch bei Haustieren: Regelmässige Pausen sind Pflicht. Hunde sollten regelmässig trinken, sich bewegen und versäubern können. Etwa alle zwei Stunden sollte kurz angehalten werden. Zudem empfiehlt sich eine ruhige Fahrweise, denn aggressive Kurvenfahrten oder dauernde Beschleunigungsmanöver machen viele Tiere nervös oder fördern Reiseübelkeit.

Mikrochip und Tollwutimpfung

Besonders heikel im Sommer: Auch Tiere dürfen niemals alleine im Auto zurückgelassen werden, die Hitze kann für Hunde oder Katzen lebensgefährlich werden. Hilfreich sind ausserdem vertraute Gegenstände wie Lieblingsdecke, Spielzeug oder gewohnte Näpfe. Sie geben vielen Tieren ein Gefühl von Daheimsein.

Wer mit Tieren ins Ausland reist, sollte sich zudem frühzeitig über die Einreisebestimmungen informieren. Für Trips innerhalb Europas braucht es in der Regel einen Heimtierpass, einen Mikrochip und eine gültige Tollwutimpfung. Und manchmal lohnt sich auch eine ehrliche Frage: Muss das Tier überhaupt mit? Nicht jeder Vierbeiner ist ein begeisterter Ferienreisender. Für manche Hunde oder Katzen ist die Zeit bei Nachbarn, Freunden oder in einer guten Tierpension deutlich entspannter als stundenlange Autofahrten, Stau und ungewohnte Ferienorte.


Was tun bei einem Unfall im Ausland?

Ein Verkehrsunfall im Ausland bedeutet oft zusätzlichen Stress durch Sprachbarrieren und Unsicherheit. Umso mehr gilt es, Ruhe zu bewahren: Warnweste anziehen, Unfallstelle sichern, erste Hilfe leisten und bei Verletzten oder Streitigkeiten die Polizei verständigen. Gut zu wissen: Der Notruf 112 funktioniert europaweit.

Hilfreich sind ein europäisches Unfallprotokoll und die internationale Versicherungskarte («Grüne Karte», heute meist weiss) im Handschuhfach. Wichtig ist ausserdem, Fotos zu machen sowie Namen, Kontrollschilder und Versicherungsdaten aller Beteiligten festzuhalten. Dokumente in fremden Sprachen sollten nie vorschnell unterschrieben werden. Anschliessend möglichst rasch die eigene Versicherung oder Reise-Assistance kontaktieren.

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