Dacia Duster 4×4 Hybrid: Überraschender Innovationsträger

Der neue Dacia Duster setzt erstmals auf eine elektrisch angetriebene Hinterachse. Der Praxistest zeigt, wie weit Dacia in den vergangenen 15 Jahren gekommen ist.

Duster 4×4 Hybrid im Härtetest. Fotos: Dacia

Der Duster hat sich seit seinem Marktstart 2010 einen Namen gemacht als solides, bezahlbares Allradfahrzeug. Die dritte Generation bleibt diesem Anspruch treu, schlägt technisch aber einen neuen Weg ein. In Kombination mit dem Automatikgetriebe setzt der Duster 4×4 erstmals auf eine elektrisch angetriebene Hinterachse. Der Elektromotor wird über ein Zweiganggetriebe mit den Rädern verbunden, das von Dacia selbst entwickelt wurde.

Die von Dacia selbstentwicklete, elektrisch angetriebene Hinterachse.

Im Gelände zeigt sich, wie das System arbeitet. In den Fahrprogrammen «Sand/Mud» und «Lock» greift der Elektromotor auf einen kurz übersetzten ersten Gang zurück. Das sorgt für ein spürbares Plus an Drehmoment beim Anfahren und erleichtert das Bewältigen steiler Passagen. Auf Geröll, Sand und ausgewaschenen Pisten wirkt der Duster erstaunlich souverän. Gleichzeitig wird klar: Der Duster soll kein kompromissloser Offroader sein.

«Der Duster ist ein SUV, kein Geländewagen», ordnet Chefingenieur Gerald Peters ein. Das zeigt sich besonders im sogenannten «Lock»-Modus. Was bei echten Geländewagen mechanische Differenzialsperren bedeutet, ist hier softwaregeregelt. Gerät das Fahrzeug in eine Situation, in der zwei diagonal gegenüberliegende Räder die Haftung verlieren, gerät die Traktionskontrolle an die Regelgrenze und es kommt daher zum Stillstand.

Im normalen Einsatz spielt das kaum eine Rolle. In Europa bewegt sich der Duster überwiegend auf Asphalt, Schotter oder winterlichen Nebenstrassen. Genau dafür sind der «Auto»- und der «Eco»-Modus ausgelegt. Hier startet das Hinterachsgetriebe standardmässig im zweiten Gang, was Energie spart. Auch im «Snow»-Modus bleibt es beim zweiten Gang, um auf Schnee und Eis ein Durchdrehen der Räder zu vermeiden.

Das Gesamtkonzept überzeugt. Wird der Allradantrieb nicht benötigt, entkoppelt sich der Elektromotor an der Hinterachse vollständig und bei tiefer Last kann sogar der 1,2-Liter-Benziner abgeschaltet werden, so dass sich der Duster rein elektrisch bewegt.

Zum Marktstart ist das neue Allradsystem nur mit LPG-Antrieb erhältlich, der hierzulande eine Randerscheinung bleibt. Eine Version mit reinem Benzinhybrid ist angekündigt, ebenso der Einsatz der Technik im Bigster. Wer auf einen mechanischen Allradantrieb setzen will, wird weiterhin fündig – allerdings nur in Verbindung mit dem Handschaltgetriebe. Ob Renault die von Dacia entwickelte Lösung künftig übernimmt, bleibt offen. Fest steht: Die Zeiten, in denen Dacia bloss als günstiger Verwerter bestehender Technik galt, sind vorbei.

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