VW Amarok im Härtetest: Weltkulturerbe und ­«Bergminze»

Bei uns ist der VW Amarok oft mehr als Lifestyle-Objekt denn als ­Arbeitstier im Einsatz. Was der 5,35 m lange Pick-up wirklich draufhat, zeigt er bei der Abenteuer-Tour im marokkanischen Rif-Gebirge.

Fotos: VW Nutzfahrzeuge/Autosprint

Schön aufgereiht und mit in der gleissenden Sonne blitzenden Chromteilen stehen die Amarok bei der VW-Vertretung in Tanger, der marokkanischen Hafenstadt an der Strasse von Gibraltar, fürs grosse Abenteuer bereit. Von hier wollen wir mit den Pick-ups etwa 170 Kilometer Richtung Süden fahren, um im wild zerklüfteten Rif-Gebirge und im Talassemtane-Nationalpark die Allradler für einmal im Grenzbereich zu bewegen.

Autosprint-Redaktor Jürg A. Stettler mit dem VW Amarok in ­Marokko.

Anfangs sind wir mit dem stattlichen 5,35 m langen Pick-up auf gut ausgebauten Asphaltstrassen unterwegs und scheinen im edlen Cockpit und auf den bequemen Ledersitzen über dem Rest des Verkehrs zu thronen. Im Mix aus französischen Modellen der frühen 1980er-Jahre, den oft kühn beladenen, aber unverwüstlichen Nutzfahrzeugen aus den 1960er-Jahren und neueren Dacia-Modellen, die hier gebaut werden, sind wir froh um den durchzugsstarken 3-Liter-Diesel des VW Amarok. Dank 177 kW/240 PS und satten 600 Nm Drehmoment müssen wir nicht stundenlang hinterherkriechen, sondern können locker überholen.

Auf der langsam, aber stetig ansteigenden Route bis nach Chefchaouen geniessen wir zudem den fast schon limousinenhaften Komfort des Amarok mit seiner präzisen Lenkung und der feinen 10-Gang-Automatik. Dem zuschaltbaren Allradantrieb mit Untersetzung gönnen wir bis nach Chefchaouen, das wegen seines Labyrinths aus blau getönten Altstadtgassen auch «blaue Perle Marokkos» genannt wird, erst einmal eine Pause.

Chefchaouen und seine blauen ­Altstadtgassen gehören seit 2013 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Erst am nächsten Tag, wenn wir über die kurvigen Schotterwege, die jedoch oft eher an ausgewaschene Bachbetten erinnern, Meter um Meter den Gebirgszug hinter der 46’000-Einwohner-Stadt erklimmen, die seit 2013 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, sind wir auf den Allradantrieb, die mächtigen 18-Zoll-All-Terrain-Reifen, den 30-Grad-Rampenwinkel und die gute Verschränkung des VW angewiesen.

Rund 175 Kilometer südlich von Gibraltar kämpft sich die Amarok-­Karawane durchs Rif-Gebirge.

Wirklich ins Schwitzen kommen wir in der geräumigen und zudem perfekt klimatisierten Double Cab trotz marokkanischer Bruthitze nie. Zu souverän arbeitet sich der VW immer weiter Richtung Gebirgssattel und Nationalpark hoch. Dieser beherbergt auf fast 600 Quadratkilometern mehr als 50 seltene Säugetierarten wie Berberaffen und Ginsterkatzen sowie mehr als 100 Vogelarten, darunter Steinadler.

Dort, wo die Aussicht auf die wildromantische Bergwelt zwar atemberaubend ist, der Weg aber ohne Leitplanken im Staub der vorausfahrenden Amaroks zu verschwinden scheint, gehen wir zur Sicherheit kurz vom Gas. Und zur Not helfen bei ganz heiklen Stellen auch die zuschaltbaren Fahrmodi locker weiter. Noch schnell ein Foto vor dem zwar schon arg verrosteten und schief zwischen den seltenen, nur hier wachsenden marokkanischen Tannen stehenden Nationalparkschild, dann geht’s weiter.

Dank Allradantrieb und viel Bodenfreiheit fühlt sich der VW-Pick-up auch abseits des Asphalts voll im Element.

Zu unserer Überraschung entdecken wir kurz nach der Passhöhe zwischen den mächtigen Kiefern und Zedern plötzlich wunderbar gepflegte und bewässerte Terrassen, auf denen still und heimlich «Bergminze» angebaut wird. Hanfplantagen hätten wir hier nicht vermutet, aber sie verhelfen den Bauern in dieser schroffen Natur zu einem wichtigen Zusatzeinkommen. Dennoch wird der bei uns ab 68’362 Franken erhältliche VW Amarok für die Einheimischen rund um Chefchaouen stets ein Traum bleiben.

 

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