Subaru WRX im Test: Röhrendes Rustico

Ehe strenge Abgasgesetze ihn verbannten, war der Subaru WRX eine Ikone seiner Zunft. Jetzt ist das rasante Raubein endlich ­zurück und lehrt uns breites Grinsen.

Er ist wieder da! Mit dem Wechsel zur aktuellen Generation 2022 hatten die Japaner den offiziellen Export des WRX nach Europa wegen hier strenger Abgasgesetze eingestellt. Der Subaru WRX kommt nun aus den USA über All.Cars in die Schweiz. Fotos: Autosprint

Ratsch macht er, der Hebel. Vielleicht kennt die digitalisierte Gen Z das gar nicht mehr? Im Subaru WRX gibt es noch einen echten Handbremshebel. Rallye-Style. Ja, man darf solche Details altmodisch oder albern finden. Wir finden: Das gehört sich so im röhrenden Rustico. Denn der WRX ist wieder hier in der Schweiz. Wir jubeln mit den Fans und mit einem dreifachem Ratsch-ratsch-ratsch, dass es sowas noch geben darf.

Breitbäckchen: Der WRX ist nichts für schüchterne Gemüter, sein Trainingsanzug und Sportsound sind unüberseh- und unüberhörbar.

Dass es das noch oder vielmehr wieder gibt, liegt an All.Cars aus Sattel SZ: Ein Trio von Petrolheads importiert Autos, welche die Gesetzgebung bei uns aus den offiziellen Showrooms gespült hat. Wie ­Nissans Z. Oder den WRX, dessen Europaexport ­Subaru per der aktuellen Generation 2022 scharfen Abgasgesetzen geopfert hatte.

Ein WRX halt: Es gibt schönere und edlere Cockpits, da hilft auch Stoffbesatz nichts. Dafür gibt es Handschaltung, noch einen echten Handbremshebel, super Sportsitze und einen dank grosser Touchtasten erstaunlich praktischen Screen.

Mehr Sein als Schein

Auch der WRX (der jetzt ohne den früheren Vornamen Impreza auskommt) der seit 2022 aktuellen Auflage sieht aus, wie ein WRX halt so aussieht: Spoiler, Bäckchen, Sportfolklore. Drinnen – naja, sieht er ebenfalls aus, wie ein WRX halt so aussieht. «Schau’ auf die Piste, hier gibt es nichts zu sehen», flüstert uns das viele Plastik im «Subi» zu. Aber alles ordentlich gemacht freilich, ein Japaner halt. Die feinen Recaro-Sitze sitzen, jeder analoge Schalter ist heute eh ein Fest und der erstaunlich grosse Touchscreen rätselfrei. Gut so! Klasse: Dem Direktimport des US-Modells sei Dank, gibt es nützliche Assistenz, keinen Unsinn wie den (in der Schweiz nicht vorgeschriebenen) nervtötenden EU-Tempowarner.

Überraschung: Anders als erwartet ist der WRX im Fond familiär geräumig. Kein Wunder: Er misst inzwischen 4,76 Meter Länge.

Ohrenbetäubend gut

Startknopf – ah, wie das brummelt und boxert! Die optionalen STI-Endtöpfe zeichnen uns vorne ein Dauergrinsen ins Gesicht, aber hinten hält das kein Kind bis zum Klausenpass durch. Platzmässig ist im Viertürer alles familiär, auch weil 4,76 Meter fast Mittelklasseformat sind. Der 2,4-Liter-Turboboxer ist mit 202 kW/275 PS und 350 Nm in der Papierform kein Brüller (100 km/h nach 6,0 Sekunden), aber Zurückschalten und Wiederhochorgeln im steten Rechts-links-Rechts der Landpartie ja genau das, was dieses kaum zu bremsende 4×4-Feuerwerk ausmacht: der Spass an ehrlicher Arbeit.

Optional noch röhriger: Die fetteren Endtöpfe perfektionieren den Sound und den Genussfaktor, allerdings ist das für Fondpassagiere und Anwohnende nicht unbedingt immer angenehm. Autosprint-Bitte: Innerorts bitte auf Soundorgien verzichten.

Arbeit ist der WRX ausser beim Fahren auch für den Rücken, einfach mangels nennenswerter Federung. Ui, ist der herb. Egal: Sogar im Alltag geht es trotzdem noch gut, und jede Kurve ist halt ein Fest ungefilterter Fahrlaune. Das ist nicht politisch korrekt, aber, sorry, ziemlich geil. Naja, fast: Offiziell sind es 9,0 (Automat 9,4) l/100 km, bei uns sind es 10,8 l/100 km, sportlich auch mal zwölf. Der WRX kostet 56’900, als Automat 58’900, als manuelles Topmodell «tS» mit Brembos und Recaros ab 60’900 Franken. Wir nennen es mal Vergnügungssteuer. Fair!

Insignien der Macht: Die Hutze ist typische WRX-Folklore, die 275 Pferde wollen gedreht und getrieben sein. Fahrspass? Pur!

Expertenmeinung
Subaru WRX

Der WRX ist ein wenig von gestern und darum voll von heute: Ein Extremist und Hingucker, macht er statt viel Sinn einfach nur irre Spass. Politisch korrekt? Nein. Schön, dass er wieder da ist? Sehr ja!

Vorteile
+ erwartet unterhaltsam
+ unerwartet familiär
+ genau so muss er tönen

Nachteile
– der Rücken schmerzt
– der Tankwart frohlockt

Autosprint-Fazit: Der Subaru WRX passt nicht mehr ganz in die Zeit und gerade deshalb besonders gut. Er ist eben einfach der WRX, anders als sinnfrei würde er keinen Spass machen.

More articles on the topic