Unterwegs im Polestar 5: Nordische Kompromisslosigkeit

Bei Polestar wird Design nicht als Dekoration betrachtet. Leistung, Nachhaltigkeit und Design sollen Massstäbe setzen. Beim Polestar 5 tun sie das, wie die erste Fahrt eindrücklich zeigt.

Nicht nur vom Fahrverhalten, sondern auch vom Design her macht der Polestar 5 echt Eindruck. Fotos: Polestar

Polestar steht für schwedisches Design und leistungsstarke E-Mobilität und gehört mehrheitlich dem chinesischen Geely-Konzern. Für die Nordlichter ist schon seit der Markenlancierung 2017 klar, dass sich der E-Antrieb durchsetzen wird; die Frage ist nur, wie schnell. «Wir setzen voll auf E-Mobilität. Bei uns gibt’s keine Hybride und keine Kompromisse», unterstreicht Christoph Wolnik von Polestar Schweiz. «Europa elektrifiziert sich mit grossem Tempo: Die E-Verkäufe nahmen im ersten Halbjahr um 35 Prozent zu. Wir bei Polestar haben keine Altlasten, also gibt’s auch produktionstechnisch keine Kompromisse. Und wir verkaufen jetzt schon mehr E-Autos als Porsche. Ein Vergleich, den wir nicht scheuen.»

Technik direkt aus dem Rennsport

Eine klare Ansage, genau wie der Polestar 5. Ein 5,09 Meter langes, aber gleichzeitig nur gerade 1,42 Meter hohes Designschmuckstück, kompromisslos auf Leistung getrimmt und dennoch ein komfortabler Gran Tourer mit 4+1-Sitzen für längere Strecken. Die imposante Heckansicht mit dem feinen LED-Leuchtband und der schräg bis zum grossen Panoramaglasdach nach oben gezogenen Heckklappe ist in sich selbst ein Statement. Die tiefe Front mit charakteristischen Dual-Blade-LED-Leuchten ist eine Wucht und zugleich eine Herausforderung, denn «die Doppelquerlenker-Vorderradaufhängung zu integrieren, war nicht einfach», so Anders Lundell, Industrial Program Manager. «Was nun verbaut ist, ist eigentlich direkt aus dem Rennsport.»

Unglaubliche Leichtigkeit

Rennsport-Feeling liefert der Polestar 5 ebenfalls bezüglich der Leistungswerte. Als Dual Motor 550 kW/748 PS und 812 Nm. Damit marschiert er in 3,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h und bis 250 km/h. Beim getesteten Performance sind es gar 650 kW/884 PS und 1015 Nm, was einen noch vehementer in die bequemen Sportsitze drückt. Damit katapultiert sich der Schwede nochmals 0,7 Sekunden schneller auf 100 km/h. Beeindruckend ist vor allem die Leichtigkeit, mit der er diese Leistung abruft, auf die Strasse bringt und gleichzeitig zwischen spurtreuem Supersportler und agilem GT wechselt. Lundell schmunzelt nur: «Leistung ist eben mehr als Zahlen. Dazu gehört das extrem steife Chassis, das uns bei der Fahrwerkabstimmung mehr Raum liess.» Extraleichte Vierkolben-Brembo-Bremsen, spezielle Michelin-Reifen und beim Performance adaptive MagneRide-Dämpfer runden das gelungene Paket ab.

Raffinierter 4+1-Plätzer

Erstaunlich auch, wie viel Platz man selbst im Fond des raffinierten GT geniesst. Zur Not lässt sich die Mittelarmlehne noch nach hinten klappen, und so wird aus dem 4- ein 4+1-Plätzer. Der Stauraum ist im Heck mit 365 Litern und 52 Litern im Frunk zwar nicht üppig, aber deswegen kauft man den Polestar 5 ja nicht! Der Stromer mit 112-kWh-Akku, bis zu 678 km Reichweite und 800-Volt-Architektur, damit es auch an der Ladesäule schnell geht, ist in der Schweiz übrigens ab 115’000 Franken (Performance: ab 135’000 Franken) zu haben.

Nur etwas irritiert

Bleibt eigentlich nur: einfach reinsitzen und Spass haben. Denn auch Bedien- und Multimediasystem und dessen Klang überzeugen. Infos gibt’s übers hochformatige 14,5-Zoll-Display in der Mittelkonsole, übers direkt am Lenkrad angebrachtes 9-Zoll-Fahrerdisplay oder übers 9,5-Zoll-Head-up-Display. Für Letzteres erntet der Polestar den einzigen Tadel. Der Rahmen sorgt je nach Sonneneinstrahlung für Reflexion. Lundell lächelt nur. «Das haben wir ebenfalls bemerkt und ein Update angedacht. Wer einen der ersten Polestar 5 in der Schweiz kriegt und sich daran stört, kann es austauschen lassen.» Auch hier: einfach kompromisslos gut …

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