Michelin-Reifenentwicklung in Ivalo: Komme, was wolle

Während wir neue Sommerpneus kaufen, denken die Hersteller schon längst an die nächsten Winterreifen. Michelin etwa stellt den X-Ice Snow+ sowie optimierte Versionen von Alpin und Crossclimate vor. Damit sollte man gut gerüstet sein für die unterschiedlichsten Witterungsbedingungen.

Ausgestattet mit dem X-Ice Snow+ wandelt der elektrisch angetriebene Macan viel Drehmoment effizient in Vortrieb um. Fotos: Michelin

Temperatur- und Strassenverhältnisse während der Wintermonate werden in unseren Breitengraden zunehmend unvorhersehbar. Den richtigen Reifentyp für all diese Bedingungen zu finden, wird damit immer schwieriger», erläutert Sophie Mazelier, Winter Product Category Manager bei Michelin. Da für die meisten Autonutzerinnen und -nutzer bei der Reifenwahl die Sicherheit erste Priorität hat, muss ein Winterpneu gewappnet sein für Schnee, Eis und Schneematsch, aber auch für regennasse und trockene Fahrbahnen – die ganze Palette.

Der französische Reifenhersteller hat daher seine Alpin-Reihe weiter verbessert und zusätzlich den neuen X-Ice Snow+ entwickelt. Und die vor allem in Zentraleuropa steigende Nachfrage nach Ganzjahresreifen befriedigt Michelin nun mit dem Crossclimate der dritten Generation. Präsentiert wurden diese neuen Produkte im Michelin Arctic Proving Ground nahe Ivalo, 300 Kilometer nördlich des Polarkreises, im tiefsten finnischen Lappland. Hier, wo andere auf Hundeschlittentour gehen oder fasziniert die Polarlichter bewundern, arbeiten die Michelin-Ingenieure an den perfekten Winterreifen.

Direkter Performance-Vergleich: Im hohen finnischen Norden liessen sich die Unterschiede der vier Winterreifen im Volvo XC60 eindrücklich «erfahren».

Winter ist nicht gleich Winter
Der X-Ice Snow+ senkt dank der neu entwickelten Gummimischung Flex-Ice 3.0 den Rollwiderstand und erhöht damit die Energieeffizienz im Vergleich zum X-Ice Snow SUV um bis zu fünf Prozent. Mehr chemischen Grip haben neue Elastomere sowie optimierte Silica-Füller und Weichmacher ermöglicht. Für gesteigerten mechanischen Grip sorgen die vergrösserte Kontaktfläche und der verstärkte Verzahnungseffekt der neuen Lauffläche. Das sorgt für mehr Seiten- und Richtungsstabilität sowie bessere Bremsleistungen auf Eis, Neuschnee und Schneematsch auf kalten und nassen Strassen.

Der neue X-Ice Snow+ eignet sich besonders gut für nordisch harte Winter …

Euro 7 als Herausforderung
Ausserdem verspricht der Pneu eine bis zu 40 Prozent höhere Kilometerleistung als die Vorgängergeneration. Das entlastet nicht nur das Budget der Kundschaft, sondern kommt auch der Neuregelung der Abriebemissionen von Euro 7 zugute. Laut Frédéric Sarazin, Winter Technical Expert bei Michelin, kommt es mit der Einführung von Euro 7 für Reifen zu einem Konflikt zwischen Sicherheit, Umweltschutz und Kosten: «Pro Jahr verteilen sich in Europa rund 500 000 Tonnen Reifenabrieb in Luft und Boden. Diese Menge muss nun deutlich verringert werden.»

Verfügbar ist der neue Reifen ab Mai in 165 Dimensionen von 15 bis 23 Zoll. Er passt für Limousinen sowie Crossover- und SUV-Modelle. Als besonders ‹harter Bursche› eignet sich der X-Ice Snow+ für nordische Winterbedingungen im Temperaturbereich zwischen –40 und +7 °C. Eine grosse Lärmbelastung ist nicht zu befürchten, denn der Reifen ist mit der Piano-Acoustic-Tuning-Technologie von Michelin ausgestattet, was die Geräuschentwicklung verringert und für hohen Fahrkomfort sorgt. Für noch anspruchsvollere Wintereinsätze kommt der Reifen mit rund 220 Spikes bestückt als X-Ice North 4 in den Handel.

… und kann für Extrembedingungen auch mit Spikes geliefert werden.

Sicher bis zur Mindestprofiltiefe
Für den Alpin 7 haben die Michelin-Ingenieure eine neue  für Temperaturen zwischen –20 und +7 °C entwickelt. Ebenfalls neu ist das laufrichtungsgebundene Profil mit Hochleistungslamellen für bessere Haftung auf nasser und schneebedeckter Strasse. Die Lamellen verbreitern sich mit zunehmendem Reifenverschleiss. So bleibt der Pneu sicher bis zur gesetzlichen Mindestprofiltiefe. Der gesteigerte Lamellenanteil verbessert zudem die Bremshaftung und die Traktion auf Schnee. Den Alpin 7 gibt es in 62 Dimensionen von 15 bis 20 Zoll.

Technik-Erläuterungen und Briefing im kalten Tipi.

Die Sowohl-als-auch-Lösung
Viel kompromissbereiter hinsichtlich der Umgebungs­temperatur ist der Ganzjahresreifen Crossclimate. Das Modellpaar Crossclimate 3 und Crossclimate 3 Sport stellt zwischen –10 und +30 °C eine zuverlässige Verbindung von Rad und Strasse dar. Die beiden Pneus eignen sich für alle Fahrzeugklassen und jede Antriebsart. Der Crossclimate 3 Sport verfügt sogar über die 3PMSF-Markierung (Three Peak Mountain Snow Flake), eignet sich also gut für winterliche Strassenverhältnisse und entspricht den gesetzlichen Vorschriften für Winterreifen. Zudem lässt sich dieser Typ gut für schwere und drehmomentstarke Elektrofahrzeuge einsetzen. Alle Reifen der Crossclimate-3-Serie fertigt Michelin in europäischen Werken in Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien, Ungarn, Polen und Serbien.

Auch die Westschweizer Porsche-Cup-Pilotin Karen Gaillard zeigte sich überrascht von den guten Wintereigenschaften des Crossclimate 3.

Unterschiede selbst «erfahren»
Beim direkten Vergleich der Michelin-Winterreifen – alle auf Volvo XC60 montiert – liessen sich im hohen finnischen Norden die Unterschiede eindrücklich «erfahren». Klare Vorteile zeigten der X-Ice Snow+ und das Parallelmodell mit Spikes, während sich die mit Alpin 7 und Crossclimate 3 bereiften Autos im Vergleich zwar etwas weniger spontan und spurtreu beschleunigen liessen, jedoch auf bereits nassem Schnee mit gutem Grip überzeugten. Bemerkenswert auch die Performance des Ganzjahresreifens, der damit für viele Autonutzende in unseren Breitengraden je nach Einsatzprofil eine gute Reifenlösung fürs ganze Jahr darstellen kann.

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