Auto-Abos: Fast alles inklusive – aber lohnt es sich?
Versicherung, Service, Reifenwechsel, Autosteuer, Vignette: Beim Auto-Abo ist vieles im monatlichen Fixpreis enthalten. Der Komfort hat aber seinen Preis. Autosprint zeigt, für wen sich das Modell eignet.

Ein Auto kaufen? Kann man. Leasen? Ebenfalls. Oder man macht etwas, das vor wenigen Jahren noch ziemlich schräg geklungen hätte: Man schliesst ein Abo ab. Aber für wen ergibt das Sinn?
Die Grundidee ist einfach: Sie wählen ein Auto aus, bezahlen einen monatlichen Fixpreis und fahren los. Anders als beim Kauf gehört Ihnen das Fahrzeug nie. Und anders als beim Leasing müssen Sie sich in der Regel weder um Versicherung, Motorfahrzeugsteuer, Autobahnvignette, Service, Reifenwechsel noch Wartung kümmern – das übernimmt der Anbieter. Selbst bezahlen müssen Sie meist nur noch Treibstoff beziehungsweise Strom sowie Parkgebühren, Maut und allfällige Bussen. Die monatlichen Kosten bleiben über die Vertragsdauer weitgehend konstant, was viele schätzen.
Ganz ohne Unterschiede geht es aber auch beim Auto-Abo nicht. Zwar werben praktisch alle Anbieter mit einem Rundum-sorglos-Paket, doch je nach Angebot variieren etwa der Selbstbehalt der Versicherung, die eingeschlossenen Leistungen oder die Bedingungen für Auslandfahrten. Ein Blick ins Kleingedruckte lohnt sich daher nicht nur, sondern ist sogar Pflicht!
Flexibel – aber nicht grenzenlos
Das Auto-Abo punktet vor allem mit Flexibilität. Heute ein Kleinwagen, nächsten Monat ein Cabrio und im Winter ein SUV? Das ist möglich, aber nicht jederzeit. Bereits nach einem oder drei Monaten kann das Auto – je nach Anbieter – wieder gewechselt oder zurückgegeben werden. Oft gilt zudem: Je länger die Vertragslaufzeit, desto tiefer die monatliche Rate.
Diese Kombination aus Flexibilität und planbaren Kosten macht das Auto-Abo für viele zu einer echten Alternative. Wer nur vorübergehend ein Auto benötigt oder länger als gedacht auf den bestellten Neuwagen wartet, findet darin eine unkomplizierte Lösung.
Komfort hat seinen Preis
Unter dem Strich sind Auto-Abos zwar oft teurer als Kauf oder Leasing. Entscheidend ist allerdings, was Sie miteinander vergleichen. Viele stellen dem monatlichen Abo-Preis lediglich die Leasingrate gegenüber. Das ist ungefähr so, als würde man bei den Ferien nur den Hotelpreis vergleichen und Flug, Verpflegung oder Kurtaxe ausblenden. Ein Beispiel: 450 Franken Leasingrate gegenüber 650 Franken fürs Auto-Abo – der Fall scheint klar. Kommen beim Leasing jedoch noch rund 200 Franken pro Monat für Versicherung, Motorfahrzeugsteuer, Service und Reifen dazu, fällt der Preisunterschied plötzlich deutlich kleiner aus. Beim Kauf sieht die Rechnung wiederum anders aus. Hier spielen zusätzlich Wertverlust, Reparaturen und der spätere Wiederverkauf eine Rolle.

Trotzdem hat die Bequemlichkeit ihren Preis. Wer sein Fahrzeug viele Jahre fährt und mit unerwarteten Kosten leben kann, ist mit einem Kauf meist günstiger unterwegs. Auch Leasing kann finanziell attraktiver sein, wenn Laufzeit und jährliche Kilometerleistung gut planbar sind. Der grösste Trumpf eines Auto-Abos ist deshalb nicht der Preis, sondern die gute finanzielle Planbarkeit. Noch wichtiger als der Monatspreis ist allerdings ein anderer Punkt: die Fahrleistung. Fast alle Auto-Abos arbeiten mit Kilometerpaketen. Wenigfahrer bezahlen entsprechend weniger. Wer die vereinbarte Laufleistung überschreitet, muss hingegen für jeden zusätzlichen Kilometer draufzahlen. Deshalb sollten Sie Ihr Fahrprofil möglichst realistisch einschätzen.
Vor der Unterschrift
Bleibt die vielleicht wichtigste Frage: Für wen eignet sich ein Auto-Abo überhaupt? Besonders interessant ist das Modell für Menschen, deren Lebenssituation nicht auf Jahre hinaus planbar ist, etwa bei einem befristeten Arbeitsvertrag, während eines längeren Projekts oder als Überbrückung bis zur Auslieferung eines Neuwagens. Auch bei beruflichen oder privaten Veränderungen ist das Auto-Abo oft eine praktische Lösung. Und wer noch unschlüssig ist, welcher Antrieb künftig der richtige ist, kann mit einem Elektroauto oder Plug-in-Hybrid zunächst einige Monate Alltagserfahrung sammeln. Ein weiterer Vorteil: Um Werkstatttermine, Versicherungen oder den späteren Wiederverkauf kümmert sich der Anbieter. Weniger geeignet ist das Modell dagegen für Menschen, die ihr Fahrzeug möglichst lange behalten oder jeden Franken Mobilitätskosten optimieren möchten.
Vor dem Abschluss empfiehlt sich ein genauer Blick auf die Vertragsbedingungen. Wie hoch ist der Selbstbehalt? Wie viele Kilometer sind inbegriffen, und was kostet jeder zusätzliche Kilometer? Wie lange ist die Mindestlaufzeit? Welche Kündigungsfrist gilt? Verlängert sich das Abo automatisch? Gibt es Gebühren für eine vorzeitige Rückgabe? Und gelten dieselben Bedingungen auch für Ferienfahrten ins Ausland? Die Unterschiede zwischen den Anbietern sind teilweise erheblich. Vergleichen Sie deshalb nicht nur den Preis, sondern auch die Leistungen und Vertragsbedingungen.
Fazit
Auto-Abos schliessen die Lücke zwischen Kauf, Leasing und Kurzzeitmiete. Sie bieten ein Modell mit kalkulierbaren Kosten und vergleichsweise grosser Flexibilität. Das macht sie aber nicht automatisch zur günstigsten Lösung. Oder anders gesagt: Wer einfach nur möglichst billig Auto fahren möchte, dürfte anderswo besser aufgehoben sein. Wer dagegen Wert auf Komfort und planbare Kosten legt, sollte ein Auto-Abo ernsthaft prüfen.

