Heiliges Ofenrohr: 50 Jahre Porsche-Transaxle-Modelle

Bei Porsche einst eigentlich als 911er-Nachfolger angedacht, sind die Transaxle-Modelle der späten 1970er- und 1980er-Jahre inzwischen selbst Kult. Autosprint durfte ans Steuer von 924, 928, 944 und 968.

Die Transaxle-Modelle der späten 1970er- und 1980er-Jahre sind inzwischen selbst Kult (v. l. n. r.): 924, 968 Clubsport, 944 und 928 GTS. Fotos: Porsche/Autosprint

Porsche ist mehr als der 911er, viel mehr! Eine besondere Ära nehmen in der reichen Markenhistorie die vier Transaxle-Modelle ein, die damals mit allem brachen, wofür Porsche stand. Doch die sportlichen und zugleich enorm alltagstauglichen Modelle ab 1976 zeugten eben auch vom Mut zur Veränderung. Nur schon die Tatsache, dass bei einem Porsche der Motor nicht mehr im Heck, sondern plötzlich vorne sass und wasser- statt luftgekühlt war, prägte Technik und Design dieser Fahrzeuge. Sie definierten mit ihren klaren Linien, der langen Fronthaube und der grossen gläsernen Heckklappe als echte 2+2-Sitzer Alltagstauglichkeit neu. Von 1976 bis 1995 verkaufte Porsche 386’290 Transaxle-Modelle in zahlreichen Derivaten – vom Carrera GT übers Cabrio bis zum Clubsport.

Schnittmodell des 968 von 1991 mit 3-Liter-Vierzylinder.

Innovative, aber belächelte Bauweise

Neben den klaren Designlinien sollten die Transaxle-Modelle ebenfalls durch ausgewogene Fahrdynamik überzeugen. Dazu setzten die Porsche-Ingenieure auf eine unkonventionelle Lösung, um eine optimale Gewichtsverteilung zu erreichen und keinen schweren Klotz mit Motor und Getriebe auf der Vorderachse zu haben. Motor vorne, dann eine Kupplung mit einer Antriebswelle, die quer durch den ganzen Wagen läuft und die Antriebskraft zum Getriebe und Differenzial an der Hinterachse leitet. Das Rohr mit der namensgebenden, schnellen Welle wurde auch gerne als «Ofenrohr» betitelt und sorgte zudem für Stabilität, was man bei sportlicher Fahrweise ja ebenfalls zu schätzen weiss. Fünfzig Jahre nach ihrer Einführung erleben die Transaxle-Modelle nun eine Renaissance. Ob 924, 928, 944 oder 968, sie alle wirken immer noch modern und verfügen über Alltagsqualitäten, die man früher vielleicht unterschätzt hat.

Das 924-Rekordfahrzeug, das nie auf dem Oval in Nardò (I) zum Rekordversuch über 10’000 Meilen antreten durfte.

Exklusiver Blick auf Skurrilitäten

Grund genug für eine einzigartige Ausfahrt rund um Stuttgart mit den Porsche-Ikonen. Bevor es losgeht, bestaunen wir in der Werkstatt des Porsche Museums neben dem Schnittmodell des 968 von 1991 mit 3-Liter-Vierzylinder, das einst an der IAA in Frankfurt Einblicke in die innovative Technik ermöglichte, noch einige Skurrilitäten aus der Transaxle-Ära. Etwa das aerodynamisch optimierte, ohne Scheinwerfer auskommende 924-Rekordfahrzeug mit leichter Plastikkarosserie und einem einzigen grossen Lufteinlass in der Front. Es sollte auf dem Oval in Nardò (I) 10’000 Meilen mit einem Schnitt von 250 km/h absolvieren. Doch Porsche stoppte das Unterfangen, noch bevor der nur 980 kg schwere Wagen an die Startlinie rollen konnte. Stattdessen kam der 924 ins Museum. Nein, der 928 gleich daneben war kein Rekordfahrzeug und auch keine Neuinterpretation, wo das legendäre Ofenrohr ebenfalls noch platziert werden könnte. Das Versuchsfahrzeug mit seinen Aufbauten von 1989 diente als fahrender Prüfstand mit Aussengeräuschmessanlage und eigener Stromversorgung.

Der 928, der mit seinen Aufbauten ab 1989 als fahrender Prüfstand diente.

Mit Ritterhelm und Automatik

Dann geht’s los; wir starten unsere Zeitreise mit dem 928, aber nicht einfach irgendeinem, sondern dem GTS von Ex-Porsche-Boss Wendelin Wiedeking. 350 PS und 500 Nm lassen viel Sportlichkeit erwarten, doch ganz so arg geht’s nicht zur Sache. Der umtriebige Manager hatte eine 4-Gang-Automatik an Bord und hätte sich vielleicht wie wir das erst ab 2008 angebotene, schnelle Porsche-Doppelkupplungsgetriebe PDK gewünscht. Witzig sind dafür, wie bei allen Transaxle-Modellen, die runden Klappscheinwerfer, die es mit einem nach vorne und einem nach hinten drehenden System gab und unter der Haube intern als «Ritterhelm» betitelt wurden.

Der 928 GTS von Ex-Porsche-Boss Wendelin Wiedeking.

Vom Einsteiger bis zum Clubsport

Wir wechseln in den knallgrünen Laubfrosch von 1976. Der ursprünglich als EA 425 für VW entwickelte und bei Audi in Neckarsulm montierte 924 kommt damals für lediglich 23’240 D-Mark, umgerechnet nicht einmal 24’000 Franken, als neues Einstiegsmodell von Porsche auf den Markt. Und der lustvoll kernige Vierzylinder mit seinen 125 PS macht richtig Spass! Auch wenn man sich erst wieder ans manuelle 4-Gang-Getriebe gewöhnen muss. Genial und Nostalgie pur ist das Karomuster der Sitze. Am liebsten würde man fast eine Kassette mit den Top-Hits aus der TV-Sendung «Formel Eins» reinschieben, aber wir lauschen doch lieber dem Motorensound.

Knallgrün wie ein Laubfrosch und nicht nur wegen seiner Farbe äusserst auffällig, der Porsche 924 von 1976.

Mit dem 944 erhält die Baureihe 1981 ihr sportliches Gesicht, und sein souveränes Fahrverhalten macht ihn zum erfolgreichsten Modell der Transaxle-Ära. Wir lassen uns in den Stoffsitzen mit psychedelisch verzerrtem Schachbrettmuster, dem Pascha, nieder und geniessen jede Kurve in der Hügellandschaft der Schwäbischen Alb. So macht Autofahren Spass! Den Spassfaktor dürfen wir zum Abschluss noch erhöhen und die letzten Kurven bis zum Museum mit dem 968 Clubsport mit 240 PS, zwei je nur 13,6 kg schweren Kunststoffschalensitzen und Rennkäfig statt Rücksitzen zurücklegen. Technisch ausgereift und konsequent weiterentwickelt setzt er den Schlusspunkt einer aussergewöhnlichen Modellfamilie.

Die Stoffsitze im 944 mit psychedelisch verzerrtem Schachbrettmuster, dem Pascha, sind ebenfalls legendär.

Einzigartige Pop-up-Ausstellungen

Die Zeit der Porsche-Transaxle-Modelle steht nicht nur für eine Ära, sondern auch für ein Fahr- und Lebensgefühl. Das Porsche Museum in Stuttgart (D) widmet 924, 928, 944 und 968 nun spezielle Pop-up-Ausstellungen. Unter dem Motto «Forever Young, Celebrating Transaxle» stehen dabei bis zum 4. Oktober 2026 die Porsche 944 und 968 im Vordergrund und danach bis zum 17. Januar 2027 der Porsche 928.
Mehr Infos unter: porsche.com/germany/aboutporsche/porschemuseum

Der 968 Clubsport mit 240 PS setzte den Schlusspunkt einer aussergewöhnlichen Modellfamilie und auch unserer speziellen Ausfahrt.

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