Getarnter Cupra Raval: Weckt er den Rebellen in mir?
Bald sollen endlich die preiswerten Kleinwagen-Stromer aus dem VW-Konzern zu uns rollen. Den Anfang macht der Cupra Raval, den wir noch leicht getarnt bereits fahren durften.

Für einmal können wir die dynamischen Linien, die markante Lichtsignatur oder das sportliche Cockpit und Interieur eines neuen Automodells nicht bewundern, dafür darf Autosprint lange vor der Weltpremiere schon hinter das Steuer des noch getarnten Cupra Raval. Die endgültigen Formen des spanischen Kleinwagens sind unter einer Folie verborgen, die das Strassengewirr des gleichnamigen Stadtteils von Barcelona, «El Raval», zeigt. Dennoch kann man beispielsweise bei den Scheinwerfern schon erste Details und das typische Spiel der Cupra-Designer mit Dreiecken erahnen – spannend.
Kritische Musterung am Werkseingang
Spannend geht es in Martorell, dem rund 30 Minuten ausserhalb von Barcelona gelegenen Stammwerk von Seat und Cupra, auch weiter. Beim Eingang zum rund 400 Fussballfelder grossen Produktions- und Entwicklungsgelände, auf dem etwa 12’000 Mitarbeitende Seat-Modelle wie den Ibiza, Arona oder Leon und natürlich auch Cupra-Modelle wie den Formentor fertigen und entwickeln, werden wir nochmals eindringlich darauf hingewiesen, keine Fotos zu machen. Journalisten gehören normalerweise nicht hierher, und kaum eine Minute später passieren wir schon einen komplett getarnten Prototypen, den wir nicht in die aktuelle Modellpalette von Seat und Cupra einordnen können. Kurz danach halten wir vor dem neuen Cupra Raval – ebenfalls getarnt, aber längst nicht so umfassend.

Temperamentvoller und agiler
Und der Spanier macht auch so schon etwas her. 4,05 Meter lang, 1,78 Meter breit und 1,52 Meter hoch ist der Elektro-Kleinwagen. Selbst wenn Cupra ihn als Urban Rebel bezeichnet, ist er sicherlich für mehr als das Stadtleben gemacht. Ein erster Blick in Fond und Kofferraum zeigt: Hier gibt’s erfreulich viel Platz. Das reicht locker auch für Überlandfahrten und Reisen. Der Raval ist das erste Modell auf der MEB+-Plattform des VW-Konzerns und somit ein technischer Zwilling des ebenfalls 2026 startenden VW ID. Polo oder des Skoda Epiq. Dank eines Sportfahrwerks, das 15 mm tiefer liegt als andere auf der Plattform basierende Modelle, einer speziell abgestimmten Federung und einer progressiven Lenkung soll der Cupra Raval jedoch klar temperamentvoller und agiler sein. Ein E-Antrieb mit 155 kW/210 PS oder gar 166 kW/226 PS sowie jeweils 290 Nm sollen dem Fronttriebler die nötige Power verleihen.
Ausgezeichnete Strassenlage
Diese Leistungsfähigkeit darf ich nun zusammen mit einem Entwicklungsingenieur auf dem Beifahrersitz als Aufpasser exklusiv ausprobieren – cool! Genauso wie der erste Eindruck der Sportschalensitze, die viel Seitenhalt bieten und doch sehr bequem sind. Noch brav im Konvoi schleichen wir vom Werksgelände, am immer noch kritisch blickenden Pförtner vorbei, rein in den Nachmittagsverkehr von Martorell. Schon nach wenigen Minuten geht’s in die hügeligen Ausläufer des Montserrat-Massivs hinein. Die Strassen werden kurviger, und der Spass beginnt, denn der Raval liegt hervorragend auf der Strasse, zeigt ein ausgezeichnetes Handling und liefert dank E-Antrieb jederzeit den gewünschten Schub – beeindruckend!
Die rote Cupra-Knopf lockt
Der kecke Urban Rebel macht unmissverständlich klar: Er ist sicherlich nicht nur in der Stadt zu Hause. Dank DCC-Sportfahrwerk und gegenüber anderen Modellen der gleichen Plattform 10 mm breiterer Spur sowie elektronischem Sperrdifferenzial zaubert mir der Fronttriebler schon nach wenigen Kurven ein Lächeln ins Gesicht und animiert regelrecht zu sportlicher Fahrweise. Dazu ist es nicht mal nötig, den rechts am Lenkrad positionierten roten Cupra-Knopf für mehr Power zu drücken. Auch in den übrigen Fahrmodi weiss der Raval zu gefallen. Nicht mein Ding ist dagegen der künstlich erzeugte Sound, der das Cupra-Feeling verstärken und die Leistungsstärke des Spaniers unterstreichen soll. Geschmackssache, und gut, kann man ihn auch unterbinden und fast lautlos durch die Hügel um Martorell heizen.
Weltpremiere am 9. April 2026
Klar, eine solche Fahrweise ist für die Reichweite der Stromer, die beim VZ Extreme 400 km und bei den Versionen Dynamic und Dynamic Plus gar je 450 km betragen, nicht gerade förderlich. Wer im Raval sparsamer unterwegs sein will, kann ja über die drei Rekuperationsstufen selbst einige Zusatzkilometer generieren. Zu Ladeleistung und Akku-Kapazitäten schweigen sich die Cupra-Verantwortlichen zwar noch genauso aus wie zum Preis. Ein Blick auf die Daten des Technikzwillings ID. Polo macht aber klar: Ein 52-kWh-Akku und Laden mit 11 kW bei Wechsel- sowie mit 90 oder 130 kW bei Gleichstrom dürften es werden.
Gewissheit gibt’s an der Weltpremiere vom 9. April 2026. Dann ist der Cupra Raval auch erstmals ohne Tarnkleid zu bewundern, und es gibt weitere Details zu fortschrittlichen Fahrerassistenzsystemen und den Matrix-LED-Scheinwerfern. Letztere begrüssen mit einer eindrücklichen Lichtzeremonie und spielen dabei mit verschiedenen Dreiecksformen, wie sie auch im Innern des Cupra immer wieder zu entdecken sind – so viel sei schon verraten!


