Formel E in Monaco: Zu Besuch in der Porsche-Box

Nur in Monaco fährt die Formel E auf der gleichen Strecke wie die Formel 1. Wir haben erkundet, wie die von A bis Z auf Effizienz getrimmten Vollelektroautos ins prunkvolle Fürstentum passen.

In Monaco sind auch vollelektrische Rennboliden ein Publikumsmagnet. Fotos: Porsche und Autosprint

Drehen im kleinen, aber feinen Stadtstaat Monaco Formel-1-Boliden ihre Rennrunden, wird überall mit der grösstmöglichen Kelle angerichtet. Keine Spur von Bescheidenheit und Zurückhaltung, hemmungslos schreiend rasen die Rennmaschinen durch Häuserschluchten und Tunnels. Im verwirrend verschachtelten Fürstentum ist V8- und V12-Donnern aber auch im Normalverkehr allgegenwärtig. Allerdings wirkt dort ein Lamborghini Temerario neben den Maranello-Ikonen SP3 und LaFerrari oder dem Gordon Murray T.50 schon fast bescheiden.

Grundsätzlich völlig anders betrachtet man den rennsportlichen Wettbewerb in Kreisen der Formel E. Dort sollen Effizienz und Sparsamkeit im Umgang mit Ressourcen richtungsweisend sein. Wie sich diese Gegensätze vereinen lassen, haben wir bei einem Besuch in den Boxen des Porsche-Formel-E-Teams erfahren. Monaco war Mitte April Schauplatz der neunten Runde der Formel-E-Weltmeisterschaft. Auch die F1-Stars Carlos Sainz, Nico Hülkenberg, Gabriel Bortoleto und Ollie Bearman schauten vorbei. Ebenso verschaffte sich Ex-Rennfahrerin Susie Wolff, heute Direktorin der F1 Academy, einen Einblick in die Welt der elektrischen Rennserie.

Gute Chancen für viele
Beim kurzen Gespräch in der Box betonte der Schweizer Werksfahrer Nico Müller, die Formel E sei «ein Wettbewerb, in dem viele Fahrer Chancen aufs Podest haben – und sich selbst Topfahrer ab und zu mit hinteren Rängen begnügen müssen». Die Piloten müssen aber nicht nur schnell sein, sie haben auch dafür zu sorgen, dass die verfügbare Antriebsenergie über die ganze Renndistanz möglichst effizient in schnelle Rundenzeiten umgesetzt werden kann. Während des Rennens stehen sie permanent in Kontakt mit den Ingenieuren in der Box, um gemeinsam die bestmögliche Strategie und damit eine optimale Platzierung zu erreichen.

Gewusel wie auf dem Ameisenhaufen beim Grid Walk kurz vor den Rennstart: Nico Müller unter dem Schirm.

Vor Überraschungen ist man jedoch nie gefeit. Da kann – wie beim Samstagsrennen – auch mal ein abgetrenntes Hinterrad über die Strecke gehüpft kommen. Oder man muss, wie Nico Müller nach einer leichten Auffahrkollision, das Rennen ohne Frontflügel beenden.

Beide 99X-Electric-Piloten haben reichlich Rennerfahrung mit Verbrennerautos gesammelt, etwa in der DTM. Heute gehören sie zu den etablierten Fahrern der vollelektrischen Formel E. Müllers deutscher Teamkollege Pascal Wehrlein, der ebenfalls in der Schweiz wohnt, gewann bereits 2024 den Weltmeistertitel und strebt nun die Rückeroberung der WM-Krone an. Müller dagegen erkämpfte sich beim Rennen in Berlin Anfang Mai den ersten Formel-E-Rennsieg. Beim zehnten Saisonrennen am Sonntag in Monaco feierte Porsches Formel-E-Team bereits das 100. Rennen. Dabei sammelte Müller als Sechster WM-Punkte, Wehrlein wurde Elfter. Nach dem nur teilweise erfolgreichen Wochenende im Fürstentum liegen die Porsche-Piloten im Gesamtklassement auf den Rängen 4 (Wehrlein) und 5 (Müller).

Nico Müller auf Kurs.

Vorfreude auf «das Biest»
Porsche bestreitet als aktueller Team- und Herstellerweltmeister die siebte Formel-E-Saison. Neben dem werkseigenen Team sind auch die Kunden-Teams Andretti Formula E und Cupra Kiro mit dem Porsche 99X Electric der neusten Entwicklungsstufe Gen3 Evo auf der Piste. Als derzeit härteste Konkurrenten betrachtet die Porsche-Crew die Teams Jaguar TCS Racing und Mahindra Racing.

Beide Porsche-Werksfahrer haben auch schon erste Runden mit den für die Saison 2026/27 entwickelten und erst kürzlich präsentierten Fahrzeugen der vierten Generation absolviert – und sind begeistert. Müller bezeichnete den Boliden nach den Tests als «richtiges Biest». In den deutlich längeren, etwas breiteren und rund hundert Kilogramm schwereren Gen4-Autos werden Track-Mode-Leistungsspitzen von 600 kW erreicht, die über alle vier Räder auf die Piste übertragen werden. Mit Rekuperationsleistungen von bis zu 700 kW lässt sich im Porsche 975 RSE die verbrauchte Energie laufend wieder an Bord holen. Schon mit den aktuellen Fahrzeugen der Gen3 Evo erreicht der Wirkungsgrad des Antriebs laut Florian Modlinger, Director Motorsport Formula E, hervorragende 97 Prozent – auch weil die Batterie von der Rekuperationsenergie kräftig unterstützt wird.

Ausblick auf die nächste Saison: Die Gen4-Autos sind deutlich grösser und noch wesentlich performanter als die aktuellen Modelle.

Yannick Bitzer, Pressesprecher Formel E und Esports, betont, dass die Weiterentwicklung der Fahrzeugtechnik in der Formel E eben nicht nur kontinuierlich, sondern auch sehr schnell und unkompliziert erfolge. Auch er freut sich auf den kommenden 975 RSE, denn mit ihm soll die Formel E ein ganzes Stück näher zur Formel 1 aufschliessen.

So darf wohl davon ausgegangen werden, dass auch die Elektroautos im Fürstentum ihren festen Platz erobern werden. Schliesslich können sie auch ganz schön laut heulen.

Nico Müller.

 

Pascal Wehrlein.

More articles on the topic