Fiat 500 Hybrid im Test: Zurückgeknattert

Anfangs nur vollelektrisch geplant, gibt es den aktuellen Fiat 500 jetzt doch wieder als Benziner. Nur 65 PS? Im Test entpuppt sich der Mildhybrid als lahm, aber doch lustig.

Gewohnt charmant: Dass es den Fiat 500 jetzt auch als Benzinhybrid statt nur Elektroauto gibt, ändert nichts am nostalgisch-coolen Auftritt. Fotos: Autosprint

Einsteigen und staunen: Echt jetzt, wir sollen zur Abwechslung mal wieder von Hand schalten? Wer heute wechselnde Neuwagen bewegt, hat Kuppeln und Gangwechseln fast verlernt: Nur in jedem 20. neuen Auto will noch im Getriebe gerührt sein. Fast noch verrückter in diesen elektrischen Zeiten: Start – und der Fiat 500 knattert fröhlich, typischer Dreizylindersound. Wie früher: Neu gibt es ihn ausser für Strom auch wieder für Sprit.

Stadtflitzer: Der Hybrid ist perfekt für Stadt und Agglo. In der Ebene geht es auch über Land prima, bergauf und auf der Autobahn sind nur 65 PS jedoch arg wenig.

Viel Charme, wenig «Pfupf»

Staunen auch beim Blick ins Datenblatt. Sind das vielleicht die Werte des Basis-500 von 2007? Nur 48 kW/65 PS und 16 Sekunden von 0 bis 100 km/h! Wieso? Für mehr als ein Einliter-Dreizylinderchen war kein Platz, weil der aktuelle 500 seit 2020 als reines E-Auto mit wenig Antriebsbauraum ausgelegt war. Doch der Kundschaft tränten beim Anblick der E-Preisliste die Augen: 24’990 Franken für 3,63 Meter Stadtzwerg? Darum also der Hybrid zu Preisen ab 19’990 Franken.

Schöne Sache: Das Cockpit ist derart charmant, dass wir dem coolen Sondermodell «Torino» ein paar Nachteile gerne vergeben.

Lieber Reisen statt Rasen

An einer Autobahnsteigung schwitzen die 65 Cavalli trotz nur 1,1 Tonnen im langen sechsten Gang wie Italiener beim Anblick einer Pizza Hawaii. Um zügig zuzulegen, müssen wir, den Sattelzug im Rückspiegel, bis in den vierten Gang zurück. Uff! «Netter Versuch» wäre ein guter Titel, denken wir. Dann ab in die City. Hier geht es locker, selbst wenn die angebliche Hilfe des E-Hybridhelfers unspürbar bleibt: Das passt!

Licht und Schatten: Die Sitzposition ist zu hoch, hinten fehlt es selbst Kindern an Raum. Aber das Ambiente stimmt.

Auf über Land. Ebene geht prima. Am Berg ist es halt wie früher, was, wir staunen selbst, zum nostalgischen Charakter des 500 passt: Schalthand und Kupplungs- und Gasfuss finden nach anfänglichen Seufzern über mangelnde Power bald ihre Harmonie: eilig hochdrehen, eifrig schalten – läuft. Tipp: mediterran lässig bleiben. Einmal überholt uns bergauf ein fetter V8-SUV, aber zwei enge Kurven später hat unser Wendigkeitswunder ihn wieder. Und offiziell trinkt der Hybrid 5,6, im Test 5,7 l/100 km – und auch die Vier vor dem Komma geht.

Nostalgie: Wie früher wird von Hand geschaltet, und ebenfalls wie früher gibt es angenehmerweise auch noch echte Tasten und darunter die Skyline von Turin.

Ohnehin könnten wir dem «Cinquecento» (auch als Cabrio oder mit einer Seitentür mehr zu haben) einfach nie böse sein. Für den charmanten Look (im Test: «Torino»-Edition, 21 990 Franken) nehmen wir einen selbst für Kinder engen Fond und die zu hohe Sitzposition hin. Das Cockpit ist eine Augenweide, das Fahrwerk passt top. «Made in Torino» steht stolz im Türgriff. Zurecht.

«Made in Torino» steht im Türgriff. Wir finden: Der kleine Turiner ist zu recht stolz, denn bei aller Kritik ist er höchst sympathisch.

Expertenmeinung
Fiat 500 Hybrid «Torino»

Ist die Hybridversion das beste Argument für die Elektroversion? Jein. Zwar täte mehr Power wirklich gut. Aber wir freuen uns, kommt der Charmebolzen und Eckenflitzer 500 quasi zurückgeknattert.

Vorteile
+ grosser Charme
+ kleiner Durst
+ wir lieben ihn
Nachteile
– 65 PS sind halt arg wenig
– eigentlich gar kein Fond

Das Autosprint-Fazit: Ja, der Fiat 500 Hybrid ist lahm. Trotzdem verbreitet er unterwegs beständig gute Laune.

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