Chinesische Autos: Schweizer:innen verlieren Skepsis

Chinesische Automarken gewinnen in der Schweiz an Akzeptanz: Eine aktuelle Studie und Plattformdaten von Autoscout24 zeigen einen Stimmungswandel. Treiber dieser Entwicklung seien vor allem Preisvorteile und technologische Fortschritte.

Leapmotor an der Peking Autoshow 2026. Foto: Leapmotor

Die Skepsis gegenüber Fahrzeugen aus China sinkt hierzulande immer weiter, wie eine aktuelle Studie von Autoscout24 zeigt: Der Anteil der strikten Kaufgegner ist innerhalb von acht Monaten von 43 auf 24 Prozent gefallen. Gleichzeitig nehmen Nachfrage und Angebot auf dem Onlinemarkplatz autoscout24.ch zu. Auch die Offenheit der Schweizerinnen und Schweizer gegenüber chinesischer Automarken wächst: 30 Prozent würden ein chinesisches Auto in Betracht ziehen, und 53 Prozent erwarten, dass diese Marken in fünf Jahren zum normalen Strassenbild gehören.

Preis und Technologie treiben die Nachfrage
Als Hauptgrund für das wachsende Interesse nennen 69 Prozent der Befragten das Preis-Leistungs-Verhältnis. Laut Mobilitätsexperte Zheng Han, Professor für Innovation und Strategie an der Tongji-Universität in Shanghai sowie Gastprofessor an der Universität St. Gallen, profitieren führende chinesische E-Hersteller von strukturellen Vorteilen: «Dank modularer Plattformen, hoher Skaleneffekte, starker vertikaler Integration und weitgehend kontrollierter Lieferketten erzielen sie je nach Segment Kostenvorteile von rund 25 bis 30 Prozent gegenüber vielen etablierten Wettbewerbern. Zudem entwickeln diese Unternehmen neue Fahrzeuge in 18 bis 24 Monaten, während etablierte Hersteller dafür meist drei bis fünf Jahre benötigen», so Han.

Mobilitätsexperte Zheng Han am Automotive Day 2025 in Berlin (D). Foto: Porsche Consulting/Marco Prosch

Neben dem Preis spielt auch die Technologie eine wichtige Rolle: 30 Prozent sehen chinesische Marken bei Batterietechnologie und Innovationsgeschwindigkeit im Vorteil. Für 33 Prozent sind elektrische und umweltfreundliche Antriebe ein zentraler Kaufgrund. Zudem verlagert sich laut Professor Han der technologische Wettbewerb zunehmend von der Hardware hin zu Software und «KI-definierten Fahrzeugen». Digitale Features werden zum Differenzierungsfaktor und erhöhen die Attraktivität bei digital-affinen Kundinnen und Kunden.

Grosse Party zur Lancierung von Leapmotor in der Schweiz, wo Emil Frey für den Import der Marke verantwortlich zeichnet. Foto: Leapmotor

Dies spiegelt sich auch in der Studie wider: Für über ein Viertel der potenziellen Käuferschaft (26 Prozent) ist die digitale Bedienung im Alltag bereits heute ein entscheidendes Kaufargument. Das steigende Interesse zeigt sich auch in den Nutzungsdaten von Autoscout24. Zwischen September 2025 und März 2026 hat sich das Suchvolumen nach BYD bei Neuwagen mehr als verdreifacht, bei Occasionen sogar vervierfacht. MG wurde bei Neuwagen doppelt so häufig gesucht.

Parallel dazu wächst das Angebot: Die Zahl der Neuwagen-Inserate für Polestar stieg um 81 Prozent, bei MG um 24 Prozent. Die Schweden unter den Chinesen, Polestar, ist die bekannteste Marke unter den abgefragten Herstellern. Polestar sitzt und entwickelt seine Fahrzeuge in Schweden, gehört aber zum chinesischen Geely-Konzern und baut seine Autos in China: 50 Prozent kennen Polestar zumindest dem Namen nach, gefolgt von BYD (42 Prozent) und MG (32 Prozent).

Der neue BYD Yuan Plus an der Peking Autoshow 2026. Foto: BYD

Service bleibt entscheidend
Trotz wachsender Offenheit bleibt der Aftersales-Bereich zentral: 82 Prozent der potenziellen Käuferinnen und Käufer legen grossen Wert auf ein verlässliches Händler- und Servicenetz. Chinesische Hersteller planen ihre Präsenz in Europa mit lokalen Produktionsstätten auszubauen. Gemäss Professor Han können sich Schweizer Garagenbetriebe als lokale Dienstleister der neuen Marken positionieren, um Wartung und Service flächendeckend und verlässlich anzubieten und so Vertrauen aufzubauen.

«Das Interesse an chinesischen Automarken nimmt in der Schweiz zu – das zeigt sich sowohl in den Einstellungen als auch im Suchverhalten. Für Händler wird es deshalb wichtiger, ihre Angebote gezielt zu positionieren und die passende Käuferschaft zu erreichen», sagt Alberto Sanz de Lama, Managing Director Automotive der SMG Swiss Marketplace Group.

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