BMW M2 Coupé: Lizenz zum Vergnügen
Karacho, Krawall und Können: Im BMW M2 machen Sound und Spass süchtig – weshalb wir ihm vergeben, dass er Pendeln ins Büro langweilig findet. Schön, dass es sowas noch gibt.

Schreiben wir mal einen Satz, bei dem die BMW-Presseabteilung erschrickt: Der M2 erinnert an Telefonsex-Werbung, wie sie früher über zurecht verblichene TV-Kanäle flimmerte. «Ruf! Mich! An!», hiess es da. So ähnlich spricht auch der M2 zu uns, ein Rennauto im Zivilkleid: «Gib! Mehr! Gas!», scheint er uns zuzurufen und sucht nach Menschen mit der Überdosis Benzin im Blut.
Im Alltag von A nach B macht sich der M2 an sich gut, aber weder viel Sinn noch sonderlich viel Spass: Bereits das Gestühl fordert, bitte selbst sportlich schlank zu sein. Zwar ist der Komfort an sich gut und der Automat sanft, doch in der City wirkt diese Kraftgranate wie gegen ihren Willen angeleint und ungelenk. Im Fond bekommen selbst Kinder Platzangst, im Parkhaus stört der für 4,58 Meter Länge deftige Wendekreis, und der Dreiliter-Sechszylinder wummert nur ungeduldig.

Bayerisches Kurvensuchgerät
Nur ist all das völlig egal, sobald das schon im Stand brachial wirkende Breitbäckchen endlich die Landstrasse erreicht. Dann fügt sich alles perfekt ineinander. M-Taste drücken, die 343 kW (480 PS) und 600 Nm beissen zu, trompeten das Lied der Leistung und fetzen los (4,1 Sekunden auf Tempo 100; Spitze 250 km/h). Kurve links, rechts, links – der M2 trifft genau, doch fordert und will dirigiert und gebändigt sein. Anders als beim Vorgänger wedelt das Heck weniger wild, aber noch immer willig. Driften? Ginge. Ja, ein Spassgarant reinsten Wassers, zugeschnitten auf die Passfahrten des Lebens. Ganz ehrlich? Uns wäre er für jeden Tag zu rau, aber wir beneiden jene, die ihn sich gönnen und damit sagen: Für mich ist ein M nicht zum Zeigen, sondern Fahren da.
Sportgranate mit Spassplus
Allein über die unzähligen und auf den Lenkradtasten ablegbaren Konfigurationen für den M-Modus könnten wir ewig referieren. Prima: Nicht nur als kompaktes Coupé ist der M2 einer der letzten seiner Art, sondern auch, weil er bei der Bedienung nie Touchscreen-Rätsel aufwirft. Das Cockpit ist hübsch und hochwertig. Nanu, ein Stück Hartplastik? Jammern auf hohem Niveau.
Bleibt der Blick auf die Preise. Den M2 gibt es mit 353 kW (480 PS) ab 95 300 Franken, dies auch handgeschaltet. Unser Testwagen mit Achtstufen-Automat kommt samt Optionen auf 109 310 Franken. Zu viel? Dann lockt das 2er-Coupé M240i xDrive mit 288 kW/392 PS für 75800 Franken. Zu wenig? Noch 50 PS mehr als der M2 hat der M2 CS ab 138600 Franken. Geiz ist hier eh nicht geil: Unser M2 kommt im Test auf 12,4 (Werkswert 9,6) l/100 km. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Expertenmeinung BMW M2 Coupé
Understatement? Nicht mit ihm: Der M2 ist eigentlich ein kaum gezähmtes Renngerät. In der City wirkt er unwillig und unterfordert, doch umso mehr betört uns seine Dynamik über Land.
Vorteile
+ extrem fahraktiv und sportlich
+ exzellenter Sechszylindermotor
+ mit Benzin im Blut berauschend
Nachteile
– wirkt im Alltag eher unwillig
– Sportsitze ziemlich schmal




