Mazda 6e im Test: Das kommt uns chinesisch vor
Der Mazda 6e ist eine richtig schicke Elektrolimousine zum fairen Preis und gefällt uns eigentlich prima. Eigentlich heisst: Ausser, wenn es gerade sehr frostig ist.

Anders als andere zu sein: Damit hat Mazda traditionell reichlich Erfolg. Mit dem 6e soll das jetzt auch elektrisch klappen. Andere setzen da zuerst auf einen Elektro-SUV. Mazda bringt noch vor dem CX-6e jedoch den 6e. Also eine echte Mittelklasselimousine, nur eben elektrisch. Den 4,92 Meter langen 6e gibt es mit 190 kW/258 PS, 69 kWh und 479 Kilometer Reichweite oder 180 kW/245 PS, 80 kWh und 552 Kilometer und je mit Heckantrieb. Wir testen die 69-kWh-Version. Erster Eindruck: Ui, der ist aber wirklich schick!

Überaus gediegen eingerichtet
Genauso ist er auch eingerichtet. Hinten gibt es reichlich Raum – und vorne Gediegenheit: superbequeme Sitze, gute Sicht, ebenso hübsche wie hochwertige Materialien. Ein stimmiges Wohlfühlauto. Unterwegs ebenso: Der 6e ist keine Rakete, aber leise, seidig, souverän. Und fährt auf der gemütlichen Seite: Er kurvt flink, aber ist eher ein sehr angenehmer Gleiter, der ausser mal bei langsamer Fahrt in der City immer fein federt. Und: Der Laderaum ist gross genug und dank Heckklappe sehr praxistauglich, und vorne gibt es ein Fach (z.B. für Ladekabel) unter der Haube.

Scheibenwischer via Touchscreen
Schön, sehr schön sogar. Dann nieselt es. Scheibenwischerhebel? Keiner da, der Wischer wird per Touchscreen bedient. Na, egal, es gibt ja eine Automatikfunktion. Nur wischt die im Nieselregen zu selten. Also umschalten auf Dauerlauf? Nur, falls man eine Lenkradtaste damit belegt. Oder halt per Screen – was stark ablenkt. Prompt meckert zurecht der Aufmerksamkeitsassistent. Am Ende wischen wir dann im Niesel manuell via Klicken der Lenkhebeltaste für Waschen oder Einmalwischen. Sorry, Fortschritt geht anders. Zwar gibt es viel Gutes wie ein Head-up-Display oder rasante Sitzheizung. Aber auch eine zu vorlaute, nur selten hilfreiche Sprachassistenz, bei Frost trotz «Auto»-Modus der Klimaautomatik beschlagende Scheiben (so dass wir immer wieder auf Defrosten umschalten müssen) oder eine zickige Abblendautomatik. Und sowas von Mazda aus Japan? Das kommt uns ziemlich chinesisch vor. Ist es auch: Der 6e ist ein Brudermodell des Changan Deepal SL03 vom chinesischen Joint-Venture Mazda-Changan.

Der Winter fordert seinen Tribut
Zur Testzeit herrscht Dauerfrost, was in eine eher maue Reichweite mündet. Von offiziellen 479 bleiben bei uns 279 bis 335, im Schnitt 313 Kilometer Reichweite – das ist für ein neues E-Auto nicht viel, auch wenn es ohne Frost wohl locker über 400 Kilometer wären. Auch die maximale Ladeleistung von 165 kW (in 24 Minuten von 10 auf 80 Prozent) erreichen wir nie. Vertrauen in die E-Mobilität stiftet das leider nicht gerade. Schade, denn mit tollem Look, feinem Fahren und viel Ausstattung ab wirklich sehr fairen 43’600 Franken wäre der 6e ja gut unterwegs.

Expertenmeinung
Mazda 6e EV 258 «Takumi»
Der 6e ist eine schicke, gediegene, geräumige, angenehme und für ein E-Auto dieser Liga günstige Limousine. Leider trüben wenig Winterreichweite und Bedienschwächen das Bild etwas.
Vorteile
+ gediegener Innenraum
+ komfortbetontes Fahrwerk
+ harmonischer E-Antrieb
Nachteile
– geringe Winterreichweite
– Bedienschwächen



