Renault Clio: Nummer sechs ist sexy
Hübsch wie ein Italiener, technisch ausgefeilt wie ein Deutscher und doch charmant wie ein echter Franzose: Der neue Renault Clio ist gerade als Hybrid gut unterwegs.

Der Boss sprach ein Machtwort: «Baut den heissesten Clio aller Zeiten», lautete der Auftrag von Luca de Meo an die Renault-Entwickler. Inzwischen ist de Meo zwar nicht mehr bei den Franzosen, aber er brachte all die gelungenen Neuheiten der jüngsten Zeit auf den Weg – darunter die ab sofort anrollende sechste Clio-Auflage. Die tritt in grosse Fussstapfen: Der seit 1990 über 17 Millionen Mal gebaute Clio ist Europas absoluter Kleinwagenbestseller.
Clio Nummer sechs komplettiert das Kleinwagen-Quartett der Marke: Der praktische R4 und der coole R5 fahren mit Retrostyle und Strom, der kleine SUV Captur und nun der neue Clio mit Moderne und Sprit. Noch vor einem Jahr hätte uns ein neuer Stadtzwerg ohne E-Variante verwundert. Doch weil die Budgetkunden und Laternenparkierer beim Sprit bleiben wollen und die EU ihr Verbrennerverbot vertagt, erweist sich die Zwei-Säulen-Strategie jetzt als ideal.

Chic wie ein Südländer
Ob es am Italiener de Meo lag, dass der Clio jetzt fast italienisch chic aussieht? Vorne ein entschlossener LED-Blick, hinten ein scharfes Heck – nicht verrückt, aber cool. Innen gibt es wenig Spektakel, aber viel Qualität. Platz gibt es ein wenig mehr als bisher, schliesslich ist der Clio um sieben Zentimeter auf 4,12 Meter Länge gewachsen. Doch hinten bleibt er – ein Kleinwagen eben – knapp. Wir sitzen gut, aber in die Ferien fahren wollen wir so lieber nicht.

Nichts zu meckern gibt es vorne. Die Sitze sind perfekt. Die von Renault gepriesene grosse Dekorleiste im Titan-Look mutet uns persönlich eher billig an. Egal, denn viele hübsche und auch gut anzufassende Details punkten, die Qualität ist tipptopp. Die Cockpitlandschaft mit zwei Screens gefällt. Super: Trotz Digitalisierung keine Bedienrätsel, weil der Touchscreen simple Menüs bietet und es etwa für die Klimaanlage Knöpfe gibt. Das Infotainment bietet Google-Features wie Maps und Play, 100 Apps warten zum Download, 29 Assistenzsysteme (Abstandstempomat Serie!) wachen – und lassen sich sonst, danke, einfach deaktivieren.

Ein erwachsener Vollhybrid
Den Clio gibt es in : Benziner 115 TCe (1,2-Liter mit 84 kW/115 PS, WLTP 5,0 l/100 km) mit Handschaltung oder Automat. Und Benzinhybrid (Full Hybrid E-Tech 16) mit 1,8-Liter-Motor und 116 kW/160 PS. Claudia Meyer, Managing Director Renault Schweiz, rechnet mit 80 Prozent Hybrid. Auf zur Testfahrt. Der Hybrid ist kein Mildhybrid mit E-Hilfe, sondern ein Vollhybrid – und das spüren wir: Verblüffend oft fahren wir gar ausserorts rein elektrisch. Insgesamt hinterlässt der Antrieb einen tollen Eindruck. Der Clio ist sehr flott und gerade elektrisch sehr geschmeidig, der Benziner schaltet sich sanft zu, und die eher langen Schaltpausen stören nie, weil die Gangwechsel des Automaten so weich und harmonisch erfolgen. Höchstens auf der Autobahn wirkt der Hybrid manchmal angestrengt, nie jedoch überfordert. Und: Ja, der Hybrid lohnt sich! Renault sagt: 3,9 l/100 km. Wir kommen auf der Testfahrt auf 4,1 l/100 km laut Display, das ist schon ein Wort für einen 160-PS-Benziner!

Beim Fahrwerk bietet der Clio das, was ein potenzieller Bestseller bieten muss: Er deckt das ganze Spektrum ab und macht viel Spass, ohne in Extreme zu verfallen oder zu schmerzen. Die Lenkung ist nicht übertrieben spitz, aber trifft exakt, die Federung ist selbst mit den von uns gefahrenen 18-Zoll-Rädern (Serie 16 Zoll) nie unangenehm und stets zu einer schnellen Kurve bereit. Gut gelöst ist der Smart-Fahrmodus, der automatisch nach Situation zwischen den Fahrmodi (Eco, Comfort, Sport) wechselt. Meistens klappt das bestens. Ausnahme: Wir cruisen entspannt, wollen aber mal ein paar Kurven fetzen – dann dauert es danach einen Moment zu lange, bis der Clio die Gänge nicht mehr weit ausdreht. Schlimm? Nein, eher ein kleines Kritikdetail gegenüber einem Auto, das sich sonst keinerlei gröbere Fehler erlaubt.

Faires Preis-Leistungs-Niveau
Bleibt die Preisfrage. Den Clio TCe 115 gibt es ab 19’900 (Automat 23’500) Franken und als E-Tech 160 (Vollhybrid) ab 26’500 Franken. In der besten Ausstattungslinie sind es 29’900 Franken, was sich durch Optionen wie Sitz- und Lenkradheizung, 360-Grad-Kamera oder Metalliclack maximal noch um rund zweieinhalb Tausender steigern lässt. Klingt sehr fair.
Das Autosprint-Fazit lautet daher ziemlich klar: Keine Frage, dass der Clio seinen Weg auch in der neuen sechsten Generation wieder machen wird im harten Wettbewerb mit Modellen wie VW Polo und Co. Er sieht gut aus, fährt sich gut, spart gut – und passt gut ins Budget.



