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21. Februar 2012
bfu: Unaufmerksamkeit ist häufigste Unfallursache
Der Strassenverkehr erfordert die volle Konzentration. Denn Unaufmerksamkeit und Ablenkung stehen bei den Verkehrsunfallursachen an erster Stelle. Die bfu wertet in einer Studie das Unfallgeschehen aus, analysiert es aus psychologischer Sicht und zeigt mögliche Massnahmen auf.
Im Jahr 2010 waren Unaufmerksamkeit und Ablenkung für 26 Prozent aller Schwerverletzten und Getöteten zumindest mitverantwortlich. In absoluten Zahlen waren das 1189 Schwerverletzte und 68 Getötete. Der Anteil am Gesamtunfallgeschehen blieb in den letzten zehn Jahren relativ konstant (ein Viertel bis knapp ein Drittel). Das zeigt die Auswertung der bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung.
Freisprechanlage fast so gefährlich wie Telefonieren am Steuer
Die jeweilige Ursache der Ablenkung ist an der Unfallstelle allerdings schwer abschätzbar. Konkrete Ablenkungssituationen können nach dem Ereignis oft nur vermutet werden oder sich auf Aussagen Beteiligter stützen. So forderte im Jahr 2010 die Bedienung eines Mobiltelefons gemäss polizeilich registrierten Unfällen 16 Schwerverletze und 2 Getötete. Die tatsächliche Zahl dürfte indessen deutlich höher liegen. Denn Studien zeigen, dass das Telefonieren am Steuer das Risiko für Unfälle mit schweren Verletzungen erheblich erhöht. Die (in der Schweiz verbotene) Benützung des Handys steigert das Risiko um fast das Fünffache, die (erlaubte) Benützung einer Freisprechanlage um das Vierfache. Weil diese Gefährdung nur unwesentlich geringer ist, rät die bfu auch vom Telefonieren mit Freisprechanlage am Steuer ab. Aber auch Mitfahrer können die Aufmerksamkeit der Lenker und ihre Fahrweise beeinflussen. Der negative Effekt dieser Ablenkungsquelle macht sich vor allem bei jungen Lenkern bemerkbar.
Die Gefährlichkeit von Unaufmerksamkeit und Ablenkung im Strassenverkehr und insbesondere des Telefonierens mit der Freisprechanlage ist den Lenkern zu wenig bewusst. Aus diesem Grunde sollte das Thema im Rahmen der Fahrausbildung ausführlich und mit Nachdruck behandelt werden. Extrem riskant ist im Übrigen jede Form von Textmessaging am Steuer (SMS, Twitter u. ä.). Sie beansprucht sowohl die visuelle wie auch die geistige und motorische Aufmerksamkeit. Hier ist ein entschiedenes Vorgehen unabdingbar, Polizeikontrollen und Informationskampagnen müssen intensiviert werden.
Auch Reize ausserhalb des Fahrzeugs können sich ablenkend auswirken und somit dem Strassenverkehr die erforderliche Aufmerksamkeit entziehen. Strassenreklame sollte daher auf ein Minimum reduziert werden. In diesem Zusammenhang ist auch der so genannte Schilderwald, also die übermässig grosse Anzahl an Verkehrssignalen, zu lichten. Die Technologie kann den negativen Folgen der Ablenkung am Steuer ebenfalls entgegenwirken. Zu nennen sind dabei etwa Geschwindigkeits- und Navigationsanzeige in der Windschutzscheibe, Lenkrad-Fernbedienung für CD-Player und Radio sowie Fahrer-Assistenzsysteme zur Vermeidung von Kollisionen.
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